Prostatakrebs: Auch nach der Hormon-Therapie gut weiterleben
Kliniken Nordoberpfalz AG
Prof. Dr. med. T. Klotz, MPH
Chefarzt der Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie
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92637 Weiden
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Anmeldung Urologisches Sekretariat
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Schwerpunkte
Urologische Onkologie
• Prostatakarzinom – Medikamentöse Therapie
• Blasenkarzinom, Nierenzellkarzinom
Andrologie
• Hormonersatztherapie
• Erektile Dysfunktion
Genitalchirurgie
• Geschlechtsangleichung (Mann zu Frau)
• Induratio penis plastica, Genitalveränderungen
Ambulanzen
• Andrologische Ambulanz
• Uro-Onkologische Ambulanz
• Prostatakarzinomsprechstunde

PROTOKOLL
15.09.2008
Prostatakrebs: Auch nach der Hormon-Therapie gut weiterleben
PROF. KLOTZ: Wir beginnen um 19 Uhr.
Vardar : Gibt es unterschiedlich aggressive Sorten Krebs in der Prostata. Ich wäre dem Experten sehr dankbar, wenn er mir dazu möglichst detailliert antworten könnte. Vielen Dank im Voraus!
PROF. KLOTZ: Es gibt tatsächlich ganz unterschiedliche Arten von Prostatakrebs. Man teilt die Bösartigkeit des Tumors in einen so genannten Gleason-Score ein. Dieser Gleason-Score schwankt zwischen 2 und 10. D. h. Tumoren mit einem Gleason-Score von 4 oder 5 sind relativ harmlos. Die meisten Tumoren haben einen Gleason-Score von 6, ab einem Score von 7 handelt es sich um einen aggressiven Tumor, wobei die Tumoren mit den Scores 9 und 10 besonders aggressiv sind. Der Sinn dieser Scores ist, dass man für den einzelnen Patienten individuell sagen kann, welche Therapie vernünftig ist.
Claro : Wie behalten selbst ausgemachte Experten die Übersicht bei der Therapiefülle. Wer koordiniert zwischen Operation, Radiologie und Onkologie? Da muss doch einer sein, der das alles beurteilen kann, so eine übergeordnete Kapazität. Wie heißt ein solcher Experte bei Prostata-Krebs?
PROF. KLOTZ: Seit letztem Jahr gibt es so genannte Prostatakarzinomzentren in Deutschland, d. h. da sitzen in der Regel immer ein Urologe und ein Strahlentherapeut zusammen und besprechen die Therapie, häufig zusammen mit einem Urologen. Die Kernkompetenz liegt beim Urologen und beim Strahlentherapeuten. Der Therapievorschlag wird individuell mit dem einzelnen Patienten besprochen vor Start der Therapie. In der Regel kommen die Patienten schon sehr gut aufgeklärt in die gemeinsame Sprechstunde, so dass das Ziel der Sprechstunde ist, für den einzelnen Patienten ein individuelles Konzept zu erarbeiten. Eigentlich besteht ein Expertenteam bei der Behandlung des Prostatkrebses.
anonym : Ich habe bis zum April so eine Hormontherapie gehabt, die Produktion von den männlichen Hormonen ausschaltet. Das ging gut. Keine Steigerung beim PSA (woher auch, ist ja alles wegoperiert) Und jetzt das erstaunliche ? plötzlich fängt mein PSA Wert wieder geringfügig an zu steigen. Gleichzeitig sind zwei kleine Metastasen (1+1,5cm) in der Leber festgestellt worden. Mein Urozentrum sagt, dass jetzt eine Anschluss-Chemo, also weg von der Hormontherapie folgen soll. Warum geben die so schnell auf, das hat doch gut geklappt bisher?
PROF. KLOTZ: Das Problem bei den Patienten ist, dass die Tumoren trotz der Hormontherapie weiterwachsen, denn es sind zwei Metastasen aufgetreten. Dies bedeutet, dass die Hormontherapie nicht mehr wirkt und man eine zusätzliche Therapie braucht. Das ist in der Regel eine Chemotherapie mit neuen Wirkstoffen, die seit zwei bis drei Jahren vorhanden sind und eine gute Ansprechrate haben. Je kleiner der Tumor desto besser kann diese Chemotherapie auch wirken. Bei großer Tumormasse wirkt die Therapie schlecht. Das wird der Grund sein, warum die Kollegen jetzt mit der Therapie beginnen wollen.
Patzak : Was für eine Aussagen erhält man durch den NSE-Wert?
PROF. KLOTZ: Dieser Wert sagt mir im Moment nichts. Falls Sie online sind, bitte ich um nähere Erläuterung.
Almstedt : Meine Arzt versichert, dass eine Unterbrechung der Behandlung zu meinem Nutzen ist. Warum?
PROF. KLOTZ: Wenn der Teilnehmer meint, dass die Hormontherapie unterbrochen werden soll, dann kann das sinnvoll sein, wenn regelmäßig der PSA-Wert kontrolliert wird, weil dadurch sich die Lebensqualität verbessert. Entscheidend ist, dass der PSA-Wert regelmäßig kontrolliert wird und der niedergelassene Urologe dann entscheidet, wann wieder mit einer antihormonellen Behandlung gestartet werden. Man nennt dieses Vorgehen intermittierende Androgenblockade.
Rhonda/Spain : In England wird viel geschrieben zu dem Wirkstoff Abirateron, der Patienten helfen soll, die sonst keine Hilfe mehr zu erwarten haben, wenn also Chemo nicht mehr hilft. Ist wohl noch nicht im Handel, weil die Studie noch läuft. Gern hätte ich dazu mehr Informationen. Laufen auch in Deutschland Studien. Kann man das evtl. über das Ausland beziehen? Infustion oder Tabletten?
PROF. KLOTZ: Es handelt sich um eine nicht zugelassene Substanz, Wirksamkeitsdaten liegen nicht vor. In Deutschland sind mir hierzu keine Studien bekannt.
Ebert : Welchen Wert hat eine Tastuntersuchung über den Enddarm? Sinnlos, wie mein Bruder sagt? Er verlässt sich ausschließlich auf die PSA-Wertbestimmung als Vorsorge. Ist das besser, reicht das aus.
PROF. KLOTZ: Die alleinige Tastuntersuchung zur Früherkennung, ich betone Früherkennung, reicht nicht aus. Allerdings gibt es Tumoren, die sind PSA-negativ und diese Tumoren können über die Tastuntersuchung entdeckt werden. Entscheidend ist somit für die Früherkennung des Prostatakarzinoms die Kombination von PSA-Verlauf und Tastuntersuchung.
Muckulis : Es gibt so viele unterschiedliche Kombinationen, da weiß man als Laie gar nicht, warum der Doktor das eine oder andere vorschlägt. Woran macht sich das fest?
PROF. KLOTZ: Dem Teilnehmer kann ich raten, dass er seinen Arzt genau befragt, warum die eine oder andere Therapie oder das eine oder andere MEdikament eingesetzt oder begonnen werden soll. Wie bereits vorher besprochen ist auch die Untersuchung in einem Prostatazentrum in der Nähe möglich. Allerdings ist klar, dass eine Aufklärung zeitaufwendig ist und der Patient auch nachfragen sollte, warum sein behandelnder Arzt das eine oder andere empfiehlt.
Röseler : Wie groß ist der Wert einer RT nach ProstataCa OP im Verhältnis zu den Nachteilen wie Potenzverlust und Inkontinenz?
PROF. KLOTZ: Der Teilnehmer meint offenbar die Radiotherapie oder Bestrahlung nach Radikaloperation eines Prostatakarzinom. Man nennt dies so genannte adjuvante Bestrahlung. Die Potenz wird durch eine Bestrahlung, insbesondere nach OP, definitiv zerstört. Die Inkontinenz eher weniger beeinträchtigt oder verschlechtert.
AKtuglu : Kann Taxotere sowohl Leber, als auch Knochenmetastasen bekämpfen?
PROF. KLOTZ: Ja, eindeutig. Taxotere oder Docetaxel wirkt sowohl bei Knochen- und Lebermetastasen. Die Ansprechraten sind hier sehr ermutigend und die Lebensverlängerung ist mittlerweile gut belegt.
Gärtner : Der PSA-Wert sank trotz 10 Mal Taxotere nicht (vor Ther.:82,90,nach 9 Anw. 193) welche Optionen gibt es noch? Welöche Möglichkeit besteht die Krankheit aufzuhalten oder zu heilen?
PROF. KLOTZ: Nach 10 Zyklen Taxotere und PSA-Anstieg, d. h. offenbar Weiterwachsen des Tumors, sind tatsächlich die Möglichkeiten beschränkt. Man kann noch auf alternative Chemotherapien, Mipoxantron oder Mitomycin ausweichen, jedoch sind die Chemotherapien der Taxotere-Chemotherapie unterlegen. Es handelt sich jeweils um eine Einzelfallentscheidung, die mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden muss.
Strahler : Hatte eine kastrierende Operation und Anschlussbehandlung. Wie wehrt man sich gegen die dauernden mitfühlenden Blicken, wenn die Leute um einen herum einen einfach immer etwas zu lange angucken?
PROF. KLOTZ: Normalerweise sollten die Blicke der Leute einen nicht stören, wenn man gelernt hat, mit der Erkrankung umzugehen. Es handelt sich eher um ein Problem, was der betroffene Patient mit sich selbst hat und hier bei seinem Therapeuten professionelle Unterstützung suchen sollte.
Salaho_R. : Ich muss dringend ganz schnell wieder zurück, um meinen Arbeitsplatz zu erhalten. Was empfiehlt der Experte: Lieber die Zeit für eine Reha investieren und dadurch dauerhaft leistungsfähig zu werden, oder wird Reha überschätzt und ich spare mir das und auch die dummen Bemerkungen meiner Kollegen? (47J, potenzschonende OP, RT)
PROF. KLOTZ: In der Erfahrung, die wir mit sehr vielen Patienten haben, ist die Reha sinnvoll. Zum einen um Abstand von der Operation zu bekommen, zum anderen, um auch seine eigenen Perspektiven für die Zukunft neu zu sortieren. Zudem findet in der Reha in der Regel eine Ernährungsberatung, Beckenbodengymnastik bzw. Potenzberatung statt. Aber, man muss nicht unbedingt eine Reha machen. Ich empfehle, diese Frage mit dem niedergelassenen behandelnden Urologen zu besprechen.
Gefiehrt : Was ist so besonders an Taxotere, wirkt es anders als andere Medikamente, wie lange bleibt die Wirkung bestehen?
PROF. KLOTZ: Taxotere ist ein Chemotherapeutikum, welches bei einer Reihe von Tumoren sehr gut wirkt und seit zwei, drei Jahren weiß man, dass dieses Medikament auch beim Prostatakarzinom sehr gut wirkt. Wielange im Einzelfall eine Wirkung besteht oder anhält, lässt sich nicht sagen. Wir behandeln Patienten zum Teil mit 15 Zyklen Taxotere und haben sehr gute Ansprechraten. Eine Heilung tritt jedoch nicht ein.
Siegburg : Stimmte, dass durch regelmässige Kontrolle des I-CTP-Wertes der Verlauf - durch regelmäßige Kontrollen - Rückschlüsse auf die Tumor-Aktivität möglich sind? Kann dadurch der Wirkungsgrad einer Chemo genauer bestimmt werden. Über eine Antwort von dem Experten würde ich mich freuen. Vielen Dank!
PROF. KLOTZ: Theoretisch kann durch eine Reihe von Laborwerten die Tumoraktivität indirekt bestimmt werden. Beim Prostatakarzinom ist der PSA-Wert entscheidend und die regelmäßig durchgeführten so genannten Staging-Untersuchungen, wie Skelettszintigraphie und Computertomographie.
Sack : Ich habe gelesen, dass am Krupp-Krankenhaus in Essen eine onkologische- oder chemotherapeutische (?) Behandlung eingesetzt wird, bei der man nicht impotent wird. Ist das richtig? Warum nur da? Hat der Experte davon gehört?
PROF. KLOTZ: Man muss unterscheiden zwischen Chemotherapie und Hormontherapie beim Prostatakarzinom. Die Hormontherapie, die in der Regel das männliche Testosteron blockiert, führt bei den meisten Patienten zum Libidoverlust und Impotenz. Die Chemotherapie hat primär zunächst einmal nichts mit der Erektionsfähigkeit zu tun, allerdings werden beim Prostatakarzinom alle Patienten vor Einleitung einer Chemotherapie zunächst mit einer Hormontherapie behandelt. Insofern sind alle Patienten beim Prostatakarzinom auch in fortgeschrittenem Krankheitsstadium mehr oder weniger impotent.
JoPi : Wie kommt Eiweiß ins Blut? Wieso ist das ein Indiz für Krebs?
PROF. KLOTZ: Bei jedem Menschen sind sehr viele Eiweißstoffe im Blut. Eiweiß hat zunächst mit Krebs nichts zu tun. Gewisse Eiweißstoffe werden als Tumormarker bezeichnet. Beim Prostatakarzinom ist das das so genannte PSA. Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht, auf ein Prostatakarzinom hinweisen.
Riffert : Was geht noch, wenn der Krebs die lokale Begrenzung verlassen hat und es jetzt Metastasen in Wirbelsäule und anderen Knochen gibt?
PROF. KLOTZ: Beim metastasierten Prostatakarzinom ist die Primärtherapie die so genannte Androgenblockade, d. h. man behandelt gegengeschlechtlich und verhindert die Wirkung des männlichen Testosterons. Dies erfolgt entweder durch Tabletten oder mit so genannten Depotinjektionen beim niedergelassenen Urologen. Die Ansprechrate der Hormontherapie ist sehr hoch und dadurch lässt sich der Krebs zunächst für mehrere Jahre im Wachstum blockieren. Irgendwann wird der Tumor mit Tochtergeschwülsten jedoch nicht auf den Hormonentzug ansprechen, dann ist ein Grund gegeben in Abhängigkeit vom Einzelfall eine Chemotherapie zu beginnen.
anonym : Bin 2002 operiert worden., Entfernung der Prostata, Gleason 4+4=8 ;HB1, ab März 08 Beginn der Chemo mit Taxotere im Bereich "low dosis regime", PSA ging nicht runter, sondern hoch, Abbruch nach 12 Mal, jetzt Therapie mit 10 mg Prednisolon,tgl, Zometa, Zoladex. Ist das jetzt eine Dauermedikation? Wie lange kann ich das erfolgreich bekommen oder ?nutzt sich das auch ab??
PROF. KLOTZ: Bei dem Teilnehmer muss man sagen, dass es sich hier um einen Patienten mit einem sehr aggressiven Tumor handelt. Es erfolgte offenbar eine Chemotherapie mit bereits 12 Zyklen Taxotere, die leider nicht zum Erfolg geführt hat, da der PSA-Wert weiter angestiegen ist. Offenbar wird jetzt versucht, mit einer Medikamentenkombination eine Verzögerung des Tumorwachstums zu erreichen. Sofern die Lebensqualität stabil ist, kann diese Medikation natürlich beibehalten werden. Langfristig steht zu befürchten, dass der Tumor weiter wächst. Möglicherweise ist jedoch im Intervall nochmals eine Therapie mit Taxotere möglich.
Wilms : Ich fühle mich sehr gut beraten und betreut in dem Onkologie-Zentrum (Hamburg-Altona) Bei aller Planung der nächsten Schritte werde ich mit einbezogen, meine Meinung nachgefragt. Mir wurde gesagt, dass es von besonderer Bedeutung ist, dass ich hinter allen Therapieentscheidungen stehe. Aber das geht jetzt schon so lange und anstatt mich daran zu gewöhnen, fällt es mir immer schwerer. Es belastet mich gerade zu, aber alle geben sich so viel Mühe, dass ich das gar nicht sagen mag. Wie soll ich mich verhalten?
PROF. KLOTZ: Wenn der Teilnehmer sich gut beraten fühlt im Onkologiezentrum, sollte er sich dort weiter beraten lassen. Natürlich ist es schwer, im Laufe der Erkrankung immer wieder eine Klinik aufsuchen zu müssen. Aber nur so ist bei einer so komplexen Erkrankung wie des Prostatakarzinoms eine komplexe Therapie möglich. Ich wünsche Ihnen viel Glück und sage Ihnen, halten Sie durch!
anonym : Ich bin bereit für meine Gesundheit Geld auszugeben, aber ich will es natürlich nicht für chancenlose Medizin verpulvern. Honvan hat nachweislich Erfolge gebracht, kostet aber knapp ? 1.000,00.
PROF. KLOTZ: Honvan wurde früher häufig eingesetzt bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom. Mittlerweile spielt dieses Medikament keine Rolle mehr. Es handelt sich letztlich um eine besondere Form der Hormontherapie, die jedoch keine besseren Ergebnisse bringt. Der Teilnehmer kann sich das Geld sicher sparen.
Martinez : Wie sinnvoll oder gefährlich (!) sind Therapiepausen wirklich? Kürzlich hat sich ein sehr hoch reputierter Professor dafür ausgesprochen.
PROF. KLOTZ: Therapiepausen im Sinne einer so genannten intermittierenden Androgenblockade, d. h. intermittierenden Hormonentzug in Abhängigkeit vom PSA-Wert, sind sinnvoll, wenn eine regelmäßige ärztliche Überwachung besteht. In mehreren Studien konnte belegt werden, dass diese Therapiepausen keinen negativen Einfluss auf die Gesamtprognose haben.
curio : Wann kann bei fortgeschrittenem Tumor der Prostata die Antihormontherapie Erfolg bringen?
PROF. KLOTZ: Die antihormonelle Therapie oder besser, der Androgenentzug, bringt bei den meisten metastasierten Prostatakarzinomen einen guten Erfolg, d. h. in ca. 70 bis 80 % aller Patienten mit vorhandenen Tochtergeschwülsten ist der Hormonentzug für einige Jahre erfolgreich.
Walter : Bei welchem PSA solte eine intermittierende Hormonbehandlung wieder aufgenommen werden ?
PROF. KLOTZ: Hierzu gibt es keine einheitliche Empfehlung. Es hängt davon ab, wie tief der PSA-Wert unter der Hormonentzugstherapie sinkt und wie schnell er wieder ansteigt. Die Entscheidung trifft der einzelne niedergelassene Urologe.
Mehmet : Kann man genau differenzieren zwischen Eindämmen der Tumorprogression und Reduzierung des PSA-Wertes?
PROF. KLOTZ: Das ist eine sehr schwierige Frage. Tatsächlich ist der PSA-Wert nur ein indirekter Marker der Tumoraktivität oder Tumorprogression. Dies bedeutet, dass in der Regel weitere Untersuchungen, wie z. B. Skelettszintigraphit, Computertomographie, Blutbild etc., hinzugezogen werden müssen, um dann im Einzelfall eine Aussage über die Tumorprogression veranlassen zu können.
Felix : Ich nehme zurzeit Casodex 50 mg wegen PSA 5. Mal sehen, ob das Zeug wirkt. Mein Problem sind Spannungen in den Brüsten und auch merkwürdiges Wachstum, alles lästig! Was kann man dagegen tun ?
PROF. KLOTZ: Die Spannungen der Brüste sind eine häufige Nebenwirkung von Casodex. Man kann entweder eine lokale Bestrahlung der Brustdrüsen oder eine Medikation mit Tamoxifen durchführen.
Ringel : Welche Fortschritte kann die Nanotherapie in der Behandlung bei PCa bringen?
PROF. KLOTZ: Hier würde ich mir keine so großen Hoffnungen machen. Zur Zeit spielt die Nanotherapie bei der Behandlung des Prostatakarzinoms keine Rolle.
walter : Wann sollte bei welchem PSA eine intermittierende Hormonbehandlung wieder aufgenommen werden ? Danke für Ihre Antwort.
PROF. KLOTZ: Die Wiederaufnahme einer intermittierenden Androgenblockade hängt vom Ausgangs-PSA-Wert und vom so genannten PSA-Nadir, d. h. der tiefste PSA-Punkt, ab. Im Einzelfall wird der niedergelassene Urologe dann entscheiden, wenn der PSA-Wert wieder ansteigt, wann die intermittierende Androgenblockade wieder aufgenommen werden soll.
Gesterding : wie weit ist die therapie mit monoklonalen antikörpern. taxere wirklich von nutzen für patienten? Es gibt viele nebenwirkungen und verbessern nur für wenige monate die lebenserwartung. trotzdem wurde das gefeiert warum, was bringt es den patienten wirklich?
PROF. KLOTZ: Taxotere ist kein monoklonaler Antikörper, sondern es handelt bei Taxotere um eine Chemotherapie. Natürlich gibt es bei jeder Chemotherapie und auch bei einer Therapie mit Antikörpern, z. B. Brustkrebs der Frau, mögliche Nebenwirkungen. Diese müssen im Einzelfall mit dem Ansprechen der Therapie abgewogen und mit dem Patienten diskutiert werden. Es gibt Patienten, die profitieren z. B. von einer Taxotere-Chemotherapie sehr gut und es wäre schlecht, diese Therapie diesen Patienten vorzuenthalten. Leider kann man Vorhinein nicht sagen, welcher Patient sehr gut oder schlecht auf die Chemotherapie anspricht.
Krauss : Mein Vater leidet sehr unter Schmerzen. Wie bekommt man die Schmerzen (Auslöser sind Knochenmetastasen) in den Griff?
PROF. KLOTZ: Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei lokalisierten Schmerzen, z. B. im Bereich der Wirbelsäule, kann eine lokale Bestrahlung den Schmerz sehr gut lindern. Natürlich sind Medikamente ebenfalls sehr hilfreich und wirken sehr gut, hierzu gehören die so genannten Opiate, die als Tabletten oder Pflaster verabreicht werden können und dem Patienten eine sehr gute Lebensqualität ermöglichen. Je nach Einzelfall kann eine "innere" Bestrahlung mit z. B. Rhenium, eine Schmerzlinderung bewirken. Heutzutage lässt sich die Schmerztherapie auch bei Patienten mit fortgeschrittenen Knochenmetastasen sehr gut bewerkstelligen, so dass diese Patienten keine oder nur wenige Schmerzen erleiden müssen.
EUphrat : Wie sinnvoll ist die zusätzliche Einnahme von Bicalutamid? Welche Vorteile, welche Nebenwirkungen?
PROF. KLOTZ: Biclutamid oder Casodex ist ein so genannter Androgenrezeptorblocker, der bei der Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Prostatakarzinoms eingesetzt wird. Insofern handelt es sich um eine sehr gute und häufig eingesetzte antihormonelle Therapie beim Prostatakarzinom. Der Vorteil ist, dass Casodex den Testosteronspiegel weitgehend unbeeinträchtigt lässt, jedoch die Testosteronwirkung auf die Prostatakrebszelle blockiert. D. h. der Patient hat mit weniger Nebenwirkungen im Bereich der Knochen oder Muskulatur zu rechnen.
Immo : Es erscheint mir, dass so manche Behandlung z.B. die Radiotherapie die Krankheit nicht aufhalten kann, wohl aber systemische Behandlungen nach hinten verschiebt. Das ist sicherlich sinnvoll, aber der grundsätzliche Sinn liegt ja darin, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Auf welchem Stand ist die Medizin da?
PROF. KLOTZ: Die Radiotherapie kann sehr wohl einen Tumor und insbesondere das Prostatakarzinom heilen. Man bezeichnet deshalb die Radiotherapie oder Bestrahlung auch als unblutiges Messer. Entscheidend ist, dass der Tumor noch lokal begrenzt ist, d. h. nicht metastasiert hat, dann ist die Radiotherapie eine sehr gute Behandlung und führt je nach Einzelfall durchaus zur Heilung eines Prostatakrebses.
Omar : Mein Vater ist 75, guter Allgemeinzustand mehrere kleinere Metastasen. Die Hormonthearapie wirkt nicht mehr. Wie geht es weiter?
PROF. KLOTZ: Wenn die Hormontherapie nicht wirkt, d. h. der PSA-Wert weiter steigt und möglicherweise Tochtergeschwülste an Größe zunehmen, ist bei Ihrem Vater die Indikation zur Chemotherapie z. B. mit Taxotere gegeben. Dies sollte mit dem niedergelassenen Urologen besprochen werden.
Sandvoss : Die Behandlung von Pstotatakrebs wird ja immer individueller. Es erscheint mir langsam nicht mehr möglich, als Arzt den Überblick zu behalten. Könnte mir der Experte bitte sagen, wie viele unterschiedliche Therapien es überhaupt gibt?
PROF. KLOTZ: Es gibt eine Reihe von so genannten Standardtherapien und individualisierten Therapien. Beim lokalisierten Tumor besteht die Standardtherapie aus dem operativen Verfahren, z. B. Radikaloperation in den verschiedenen Variationen oder den Bestrahlungsverfahren in ebenfalls verschiedenen Variationen. Operation und Bestrahlungsverfahren sind diejenigen Verfahren, die den Tumor heilen können. Alternativ gibt es beim Prostatakarzinom in Abhängigkeit vom Einzelfall so genannte "Wait-and-See-Strategien" oder hormonelle Therapiestragien. Dies macht für den Außenstehenden die Behandlung so undurchschaubar und dies ist auch der Grund, warum sich Prostatakarzinomzentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurden, im letzten Jahr in Deutschland etabliert haben. Scheuen Sie sich deshalb nicht, beim niedergelassenen Urologen nach einem solchen Zentrum zu fragen oder sich in einer solchen Sprechstunde anzumelden.
Malte : Was wirkt besser bei Metastasen in den Knochen Chemotherapie oder Bestrahlung? Was hat weniger Nebenwirkungen?
PROF. KLOTZ: Die Bestrahlung bei Knochenmetastasen heilt den Tumor nicht, sondern wird nur eingesetzt, um Schmerzen zu lindern. Das Tumorwachstum in den nicht bestrahlten Bereichen des Knochens wird nicht aufgehalten. Die Chemotherapie wirkt auf den gesamten Körper und kann Metastasen in den verschiedenen Organen bekämpfen und am Wachstum hindern. Insofern sind die Bestrahlung und die Chemotherapie beim metastasierten Tumor nicht vergleichbar.
Sigi : Wie Knochenmetastasen aufhalten?
PROF. KLOTZ: Knochenmetastasen können aufgehalten werden durch eine so genannte Androgenblockade und falls diese nicht mehr wirkt durch eine Chemotherapie.
Ochlich : Was ist mit Leitlinien zum Thema PCA? Wie häufig werden die aktualisiert und an neueste Erkenntnisse angepasst?
PROF. KLOTZ: Es gibt mehrere Leitlinien. So sind in Deutschland die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) verbreitet. Daneben gibt es auch amerikanische Leitlinien (AUA). In der Regel werden die Leitlinien alle zwei bis drei Jahre angepasst bzw. aktualisiert.
Lüdtke : Was ist dran am Satz "Viele sterben mit und nicht am PCa"
PROF. KLOTZ: Dies ist ein sehr wahrer Satz. Vor allem bei älteren Patienten muss sehr genau entschieden werden, ob ein Prostatakarzinom behandelt, medikamentös therapiert oder nur beobachtet wird. Grundsätzlich gilt die Regel, dass auf den Individualfall abgerundet werden muss. Dies bedeutet z. B., dass ein 60jähriger Patient mit Prostatakarzinom anders behandelt wird als ein 85jähriger Patient mit Prostatakarzinom, der z. B. schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hinter sich hat. Entscheiden ist beim Prostatakarzinom, da es sich in der Regel um einen langsam wachsenden Tumor handelt, die Begleiterkrankungen jedes einzelnen Patienten und die Lebensumstände mit zu berücksichtigen.
anonym : OP 5.03, cT2 und cT3 positiver Lymphknotenstatus (N2) und bei Fernmetastasierung (M3) systemische antihormonellen Behandlung bisher erfolgreich, verliert gerade langsam die Wirkung. Und jetzt?
PROF. KLOTZ: Es handelt sich offenbar bei Ihnen um einen Patienten mit metastasierten Prostatakarzinom, der antihormonell behandelt wurde und bei dem der PSA-Wert jetzt ansteigt. In Abhängigkeit von dem Allgemeinzustand und dem PSA-Wert können noch verschiedene Variationen der Hormontherapie eingesetzt werden (komplette Androgen-Blockade). Wenn die antihormonellen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist eine Chemotherapie mit Taxotere zu diskutieren.
C.Bögels : Ich habe die Chance auf volle Wiederherstellung oder auch Heilung. Will diese Chance auf keinen Fall vertun, deshalb bitte 2. Meinung wie Nachkontrolle über welchen Zeitraum aussehen soll?
PROF. KLOTZ: Es handelt sich bei dem Teilnehmer offenbar um einen Patienten mit einem lokalisierten Tumor. Der Patient kann von diesem Tumor mittels einer Radikaloperation oder mittels Bestrahlung geheilt werden. Die Nachkontrolle nach einer solchen Therapie verläuft letztlich lebenslang.
Reichardt : Könnten Sie einmal ausführlich einen beispielhaften Fall von Prostatakrebs von den Symptomen bis zu rfortgeschrittenen Therapie schildern? Habe gerade erst meine DIagnose erhalten und weiss, dass das heutige Thema mich wohl noch lange nicht betrifft. Aber wie sind die Zeitspannen? Wie lange funktionieren andere Therapien, bevor die Hormon-Therapie nicht mehr wirkt?
PROF. KLOTZ: Dies ist eine Frage, die man sehr ausführlich beantworten könnte. In der Regel macht ein früher Prostatakrebs keine Symptome, sondern wird durch einen erhöhten PSA-Wert oder auffälligen Tastbefund diagnostiziert. Wenn der Tumor sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, können Probleme beim Wasserlassen auftreten. Dies ist jedoch tendenziell sehr selten. Erst beim metastasierten Tumor, d. h. Tumor mit Tochtergeschwulsten, kommt es zu Rückenschmerzen oder Blutbildveränderungen. Es handelt sich dann um ein fortgeschrittenes Stadium, welches durch die Vorsorge in den letzten Jahren eher seltener wird. Die Zeitspanne, in der ein Tumor von einem kleinen lokalen Karzinom oder Stadium bis zum metastasierten Stadium benötigt, hängt von der Aggressivität des Tumors ab. In der Regel handelt es sich um Zeitspannen von mehreren Jahren.
Daniel_Egestorf : Woran liegt es eigentlich, dass ein Prostatakrebs irgendwann nicht mehr mit der Hormon-Therapie behandelt werden kann?
PROF. KLOTZ: Die Prostatakarzinomzelle wird im Laufe der Behandlung sozusagen hormonunsensibel. Man kennt die genauen Mechanismen dieser Resistenz gegenüber der Androgenblockade nicht. Die Zeitspanne bis zur Hormoninsensitivität ist im Einzelfall von Tumor zu Tumor verschieden. Allerdings sind fast alle Tumoren irgendwann nicht mehr hormonsensibel. Dies bedeutet, dass auf viele Jahre die Androgenblockade alleine nur selten ausreicht, um ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom zu behandeln.
ebers : Kann es auch vorkommen, dass junge Patienten auf die antihormonelle Therapie wechseln? Oder sollte man besser sagen, wechseln müssen?
PROF. KLOTZ: Natürlich können und müssen auch junge Patienten mit einer antihormonellen Therapie behandelt werden, wenn ein mestastasierter Tumor vorliegt. Die Indikation zu einer antihormonellen Therapie hängt primär nicht vom Alter des Patienten ab.
Warncke Rotenburg : Ab welchem Alter bezahlt die gesetzliche Krankenkasse eine Vorsorgeuntersuchung?
PROF. KLOTZ: Die Vorsorgeuntersuchung der gesetzlichen Krankenkassen wird ab dem 45. Lebensjahr bezahlt. Allerdings, und dies ist sehr problematisch, wird der PSA-Wert nicht von der gesetzlichen Krankenkasse als Vorsorge bezahlt.
anonym : Total-Operation 2003, Bestrahlung, Hormontherapie, 2007 erneuter Anstieg von PSA, Frühjahr 37 Bestrahlungen (täglich in einem Block). Ich hatte keine, absolut keine Nebenwirkungen und fühle mich bestens. Bin 61 Jahre. Ist das normal oder befinde ich mich in einer trügerischen Sicherheit?
PROF. KLOTZ: Das ist normal und offenbar hat die Bestrahlung als zusätzliche Behandlung der Therapie eines Prostatakarzinoms bei Ihnen sehr gut angeschlagen. Seien Sie froh. Entscheidend ist die regelmäßige Kontrolle beim niedergelassenen Urologen.
Biedermann : Was ist sinnvoller: Chemo mit Mitxandron, Prednisolon oder.Östrogene? Gibt es weitere alternativen?
PROF. KLOTZ: Die Chemotherapie mit Mitoxantron ist eine "ältere" Chemotherapie. Mittlerweile ist die Chemotherapie mit Taxotere oder Docetaxel Standard. Insofern ist diese Chemotherapie, sofern eine Indikation dazu besteht, vorzuziehen.
E.Klarst : Ich bin zum ersten Mal in diesem Forum und etwas erschrocken über die gut informierten Patienten. Habe gerade erst meine Diagnose bekommen und habe von nichts eine Ahnung. Woran kann ich erkennen, dass mein Arzt kompetent ist?
PROF. KLOTZ: Dem Teilnehmer ist zu raten, sich z. B. über unabhängige Informationsquellen wie die Deutsche Krebsgesellschaft vorab zu informieren. Dann ist er ein kompetenter Partner für seinen niedergelassenen Urologen und merkt sehr schnell, ob die Beratung und Therapieempfehlung für ihn speziell sinnvoll ist.
Justus : Bei welchen Symptomen sollte man eigentlich zum Arzt gehen? Reichten Schwierigkeiten beim Wasserlassen? Oder ist das zu unbestimmt?
PROF. KLOTZ: Schwierigkeiten beim Wasserlassen können auf eine Reihe von Krankheiten hinweisen und sind nicht spezifisch für ein Prostatakarzinom. Eher im Gegenteil, frühe Prostatakarzinome machen keinerlei Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Unabhängig von der Problematik Prostatakarzinom sollte bei Schwierigkeiten beim Wasserlassen ein Urologe aufgesucht werden.
CLaire : Ich mache mir solche SOrgen um meinen Mann. Ich verstehe, dass Sie hier emotionale Fragen normalerweise herausfiltern, weil es hier in der wertvollen zeit um medikamentöse Fragen gehen soll. ABer vielleicht haben Sie doch ienen tip für mich, wie ich meinem Mann am besten als Ehefrau beistehen kann. Er verliert ja im Moment tatsächlich seine Männlichkeit. Claire.
PROF. KLOTZ: Entscheidend ist für Ihren Mann, dass er das Gefühl hat, dass Ihre Liebe zu ihm nicht auf seine sexuellen Fähigkeiten beruht, sondern dass Sie ihn als Mensch schätzen und lieben. In einer Partnerschaft sind unabhängig vom Geschlecht auch Höhen und Tiefen zu durchstehen. Ich bin überzeugt davon, dass Sie Ihrem Mann sehr gut beistehen werden und wünsche Ihnen viel Kraft.
Roscher : Ich recherchiere gern im Internet und weil ich gut englisch kann gehe ich auch auf amerikanischen Seiten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie kann ich beurteilen, ob das, was da steht seriös ist. Das ist schon mit deutschen Seiten nicht so einfach, aber bei ausländischen Seiten, um so schwieriger. Sollte man sich nur über Universitätsportale informieren? Was rät der Experte?
PROF. KLOTZ: Im Internet gibt es sehr viele seriöse und unseriöse Quellen. Vorsicht geboten ist vor allem bei ausländischen Seiten, wenn irgendwelche Gelder oder Teilnahmegebühren verlangt werden. Stutzig sollte man auch werden, wenn Therapien als Alleinheilmittel oder 100 %-Behandlungen angepriesen werden. Dies gibt es bei Tumorerkrankungen definitiv nicht. Prinzipiell sind Universitätsportale vor allem bei ausländischen Seiten eher vorzuziehen. Sie bieten aber keine Garantie für seriöse Beratung. Die Möglichkeiten im "deutschen Internet" sollten aber für alle Stadien und Formen eines Prostatakarzinoms ausreichend sein. Siehe Deutsche Krebsgesellschaft.
Yasin : zu erst war PSA 27,3; Prostatabiopsie9(4+5)nach hormontherapie ist PSA 2,4; nach Radicalen Prostataoperation wurde PSA 2,6. Trotz Bestrahlung ist PSA wert 4,6 was sagen Sie dazu?
PROF. KLOTZ: Offenbar handelt es bei dem Teilnehmer um einen fortgeschrittenen Tumor, da der PSA-Wert nach Radikaloperation und Nachbestrahlung nicht auf Null zurückgegangen ist. Damit besteht der Verdacht, dass eine Metastasierung vorliegt. Hier ist eine antihormonelle Therapie sinnvoll, zumal es sich um einen aggressiven Tumor (Gleason-Score 9) handelt.
Micha : Anfang 2001 hatte ich eine radikale Operation (Gleason Score9, PSA:42). Danach war der PSA Wert mal unter 0,2 dann Anstieg auf 3,0. Es folgte eine Strahlentherapie. Der PSA-wert ging wieder runter. Dann ging er wieder hoch und ich bekam Trenantone da ging der PSA runter. Geht das immer so weiter? Ich hatte die Hoffnung irgendwann mal zur Ruhe zu kommen innerlich, aber das ist wie ein Pulverfass für mich.
PROF. KLOTZ: Es handelt sich auch bei diesem Teilnehmer um einen aggressiven Tumor, wobei ein hoher Ausgangs-PSA-Wert vorlag. Allerdings konnte durch Radikaloperation und Bestrahlung der Tumor zunächst gut in den Griff gebracht werden. Es sind jetzt bereits sieben Jahre mit guter Tumorkontrolle vergangen. Die Hormontherapie kann als intermittierende Hormonblockade fortgesetzt werden. Wie lange die Hormontherapie oder bzw. intermittierende Hormonblockade wirkt, ist im Einzelfall nicht vorherzusagen.
anonym : Wie gut oder gefährlich (Nebenwirkungen) ist Thalidomid in Verbindung mit Rocaltrol, und Carboplatin?
PROF. KLOTZ: Alle hier genannten Medikamente haben keinen wesentlichen Stellenwert bei der Behandlung des metastasierten Prostatakarzinoms.
Sporengelmann : Ist Arbierateron-Acetat wirklich der große Durchbruch für uns? Darf ich das Hoffnung empfinden, oder wird da nur maßlos übertrieben, um Forschungsgelder für die nächste Forschungsstufe einzuwerben?
PROF. KLOTZ: Diese Substanz ist nicht zugelassen und keine Standardtherapie für das metastasierte oder lokale Prostatakarzinom. Eine Empfehlung kann daher nicht gegeben werden.
Polat : Können Wissenschaftler mal in die Richtung forschen, dass man seine Männlichkeit erhalten kann? Mein Sohn ist 25 Jahre und der Gedanke, dass ihm all das erspart bliebe, was ich erleiden musste würde es für mich nachträglich leichter machen.
PROF. KLOTZ: Natürlich werden seit vielen Jahren Untersuchungen und Studien unternommen, um die Nebenwirkungen einer Therapie eines Prostatakarzinoms möglichst gering zu halten und es sind hier auch deutliche Fortschritte in den letzten Jahren gemacht worden. Aber es gibt keine Wunder auch in der Medizin, trotz der beeindruckenden Erfolge in den letzten Jahrzehnten bleiben viele Fragen oder Probleme ungelöst.
Neubacher : Meine Frau hatte Brustkrebs und da ging alles ziemlich schnell. Sie hatte wenig Zeit damit klar zu kommen. Bei mir haben Stanzen und CT Prostatakrebs mit Metastasen ergeben und offenbar ist nicht so viel Eile. Das finde ich einerseits beruhigend andererseits beunruhigend. Was sagt der Experte dazu?
PROF. KLOTZ: Der Brustkrebs der Frau ist in der Regel etwas aggressiver von seinem Wachstumsverhalten als der Prostatakrebs des Mannes, obwohl diese Tumoren in vielen Bereichen vergleichbar sind. Die Antihormonelle Therapie beim metastasierten Tumor ist beim Prostatakarzinom sehr wirksam und hält je nach Einzelfall für mehrere Jahre an. Hier müssen Sie sich mit Ihrem niedergelassenen Urologen beraten und die nächsten Schritte planen.
Wengenroth : Mein Urologe sagt, dass alles getan wurde. Jetzt habe ich auf eigene Faust recherchiert. Deshalb die Frage. Könnte die Erkrankung nach OP noch mit Proscar oder Gluthetiamid(Cytraden) aufgehalten werden? Oder ist das eine veraltete Behandlung?
PROF. KLOTZ: Sofern bei dem Teilnehmer ein metastasiertes Prostatakarzinom besteht, kann eventuell eine zusätzliche Therapie mit Prosca sinnvoll sein. Dies ist allerdings nur als Versuch zu werten. Die Standardtherapie des Prostatakarzinoms ist die antihormonelle Therapie und bei Weiterwachsen der Metastasen die Chemotherapie.
anonym : Die vielen Fachbegriffe beherrsche ich ganz gut, aber es werden immer mehr. Ich habe das Gefühl langsam zum Arzt in eigener Sache zu werden. Alle loben mich dafür, aber ich mag es auch, wenn mein Urologe mich an die Hand nimmt. Das gibt mir eine gute Sicherheit. Das tut er aber immer weniger und ich fühle mich manchmal eher alleingelassen dadurch. Ist das normal oder werde ich immer dünnhäutiger, je länger die Krankheit dauert?
PROF. KLOTZ: Natürlich wird der informierte Patient im Laufe der Behandlung eines Prostatakarzinoms selbst zum Experten. Dies hat Vor- und Nachteile. Entscheidend ist daher die Behandlung bei einem Arzt seines Vertrauens und wenn der Teilnehmer sich bei seinem niedergelassenen Urologen gut aufgehoben fühlt, kann er getrost die Behandlung in dessen Hände legen.
Linus W. Salzburg : Könnte Prof. Klotz darstellen, wo er persönlich die zukünftig vielversprechendsten Therapieansätze bei der antihormonellen Behandlung des Prostata-Krebses sieht?
PROF. KLOTZ: Ich persönlich denke, dass mit speziellen antihormonellen Therapieverfahren eine Optimierung der Hormontherapie möglich ist. Hierzu gehören z. B. selektive rezeptorenblockierende Medikamente (SERM) oder auch Antikörper. Allerdings ist ein Durchbruch allenfalls in drei bis fünf Jahren hier zu erwarten.
PROF. KLOTZ: Ich bedanke mich bei allen Teilnehmer für die interessanten Fragen und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!
Ende der Sprechstunde.