Prostatakrebs: Hormonresistenter Krebs - welche Option gibt es nach der Hormon-Therapie?

Prof. Dr. med. Udo Rebmann
Direktor Urologische Klinik
Diakonissenkrankenhaus Dessau gGmbH
Gropiusallee 3
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PROTOKOLL

23.11.2009

Prostatakrebs: Hormonresistenter Krebs - welche Option gibt es nach der Hormon-Therapie?

PROF. REBMANN: Wir beginnen um 19 Uhr.

Blinova : Januar 2009 PSA 7,36 Ausschälung der Prostata, angeblich keine Krebsgefahr. Im September 2009 hatte ich zunächst zu hohen Blutdruck mit 190 zu120, ich bekam Blutdrucksenker. Kontrolluntersuchung PSA war weit über 20. Diopsie, danach Ergebnis eines besonders aggressiven Prostatakrebses, ich dachte immer, die sind alle gleich. Auch Die Blase ist in Mitleidenschaft gezogen. Operation, Chemotherapie. Seither komme ich nicht wieder richtig auf die Beine und habe Angst vor einem Rückfall. Woran erkenne ich einen Rückfall?

PROF. REBMANN: Es tut mir leid für Sie, dass Sie zunächst an einer gutartigen Prostataerkrankung operiert wurden. Danach ist ein besonders aggressiver Prostatakrebs ausgebrochen, der Sie auch sehr in Mitleidenschaft gezogen hat. Nach Ihrer Chemotherapie ist es so, dass der PSA-Wert wieder abfallen sollte. Man würde nach sechs Chemotherapien eine PSA-Wert-Kontrolle durchführen, um dann zu sehen, ob diese Chemotherapie für Sie einen Sinn gemacht, wobei jede Chemotherapie ist lediglich palliativ, d. h. eine Heilung ist nicht zu erwarten, im besten Fall eine Lebensverlängerung. Diese Chemotherapie sollte aber bei für Sie bei akzeptablen Nebenwirkungen eine Symptomverbesserung ergeben. Den Rückfall erkennen Sie an einem erneuten PSA-Anstieg.

Mo Cichy : Vor 4 Jahren bin ich nach 25 Jahren in Asien und Südamerika nach Deutschland zurückgekommen. Darüber bin ich sehr froh, denn das Gesundheitswesen hier ist phantastisch, nach allem was ich erlebt habe. Ich hatte mehrere größere Erkrankungen darunter Malaria und Hepatitis B. Vor 5 Jahren hatte ich Prostatakrebs, der aber erfolgreich behandelt wurde. Dann gab es einen Rückfall. Danach Hormonbehandlung, jetzt Taxotere. Im Inernet fand ich, dass man bei Lebererkrankung Docetaxel nicht bekommen sollte. In dem Onkourologischen Zentrum in dem ich behandelt werde sieht man das anders. Was stimmt? Bitte unbedingt Prof. Rebmann diese Frage zeigen! Danke!

PROF. REBMANN: Docetaxel wird teilweise über die Leber abgebaut, führt aber nicht zu erheblichen Störungen des Leberstoffwechsels, wenn keine Lebermetastasen vorliegen. Aus diesem Grunde ist Taxotere für Sie eine Chance, Symptome zu verbessern und eventuell Ihre Lebenszeit zu verlängern.

A. Otte : Wie häufig oder selten sind chronische Strahlenschädigungen? Wie äußern die sich?

PROF. REBMANN: Eine Strahlentherapie verursacht selbstverständlich nicht nur die positiven Wirkungen, z. B. bei einer Prostatabestrahlung, sondern erzeugt auch Kollateralschäden. Diese sind in den letzten Jahren jedoch sehr gering geworden und lassen sich gut behandeln. Die Strahlentherapie ist eine Standardtherapie des Prostatakarzinoms im lokalisierten Stadium und ist äußerst hilfreich für die Patienten. Chronische Strahlenschädigungen sind in der Regel selten.

Rudi Lubov : Hat es Bedeutung bei der Entscheidung für die Art der Therapie bei Prostatakrebs, in welchem Zustand der Patienten ist? Mein Bruder ist total fit mit 75 Jahren, treibt Sport, hat so gut wie kein Übergewicht, sieht aus, wie ein 50jähriger. Trotzdem hat er jetzt einen erhöhten PSA-Wert und macht sich Sorgen. Was bedeutet es für ihn als Ausgangsposition, wenn es denn wirklich Krebs sein sollte?

PROF. REBMANN: Ich hoffe, dass Ihr Bruder keinen Prostatakrebs hat. Selbstverständlich spielt der Zustand des Patienten eine entscheidende Rolle. Der Zustand wird in einem medizinischen Index ausgedrückt, der die Aktivitäten im Tagesablauf charakterisiert. Ihr Bruder ist total fit, er muss unbedingt seinen erhöhten PSA-Wert bei seinem Urologen kontrollieren lassen, um bei einem nachgewiesenen Krebs eine entsprechende Therapie einzuleiten. Ein ca. 75 Jähriger kann alle Therapieoptionen für sich in Anspruch nehmen. Trotzdem hoffe ich, dass kein Krebs bei Ihrem Bruder gefunden wir.

Jörg : Eigentlich war es wohl beruhigend gemeint, als mein Urologe meinte es gäbe bei Prostatakrebs viele Möglichkeiten. Beruhigt mich aber nicht. Im Gegenteil, mischt mich total auf, denn mein Verstand sagt mir, viel hilft nicht unbedingt viel, oder in diesem Fall besser. Ist das nicht ein Zeichen, dass Ärzte sich nicht auf eine herausragende Behandlungsform einigen können?

PROF. REBMANN: Ihr Urologe hat Recht. Es gibt viele Möglichkeiten, den Prostatakrebs individuell auf den Patienten zugeschnitten zu behandeln. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie hat mit anderen Gesellschaften interdisziplinär eine so genannte S3-Leitlinie erstellt, die auf die verschiedenen Situationen bei Prostatakrebs eingehen. Es ist kein Zeichen dafür, dass Ärzte sich nicht auf eine herausragende Behandlungsform einigen können, sondern Ausdruck einer sehr individuellen - für den Patienten nützlichen - Entscheidung hinsichtlich seiner Lebensqualität.

Morton : Alle Ärzte sind immer weiter spezialisiert. Die Pathologen sicherlich auch. Nur wie weiß ich als Patienten, dass meine Gewebeprobe, die mein niedergelassener Urologe genommen hat auch spezialisiert ist auf die Diagnose von Prostatakrebs?

PROF. REBMANN: Sie haben Recht, dass eine immer weitere Spezialisierung bei Ärzten vorherrscht. Das hat Vor- und Nachteile. Ihr Urologe ist ein hochspezialisierter Fachkollege. Auch Pathologen sind hochspezialisierte Ärzte. Ihr Urologe entnimmt Gewebeproben aus verschiedenen Gebieten der Prostata, die in der Regel nach einem bestimmten Muster entnommen werden. Diese Gewebeproben werden dann einzeln vom Pathologen untersucht und die Diagnose gutartige Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs gestellt. Die Gewebeproben müssen eine bestimmte Größe haben und natürlich aus der Prostata stammen. Sie dürfen nicht gequetscht sein und gut in einem Konservierungsmittel gelagert werden. Sie sehen, dass eigentlich damit eine exakte Diagnose zweier Spezialisten möglich ist.

Kampfrad : Mir wurde eine sehr hohe Effizienz, sprich nahezu 100 Prozent Erfolg bei Bestrahlung mit 80 Gy versichert. Das hört man gern. Im Internet habe ich keine Studien dazu gefunden, das macht es wenig kalkulierbar. Was weiß man über Nebenwirkungen und Langzeit-Wirkung?

PROF. REBMANN: In der Medizin ist eine 100 %ige Erfolgsrate nie gegeben. Andererseits muss man feststellen, dass mit erhöhter Strahlenintensität eine erhöhte Heilungsrate bei Prostatakarzinomen durch die Strahlentherapeuten zu verzeichnen ist. Das Negative an erhöhter Strahlenbelastung ist selbstverständlich eine erhöhte Nebenwirkung. Durch raffinierte technische Systeme während der Bestrahlung gelingt es heute, die Strahlendosis ziemlich genau auf die Prostata zu lokalisieren, so dass die Kollateralschäden gering und akzeptabel sind. Diskutiert wird zur Zeit über die Entstehung von Zweittumoren nach intensiver Strahlentherapie. Darüber gibt es jedoch noch keine exakten Aussagen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass junge Männer ja nicht an einem Vorsteherdrüsenkrebs erkranken und damit die Diagnose Prostatakrebs als Zweitkrebserkrankung sicher in den Hintergrund treten können. Zweittumoren treten in der Regel nach 15 bis 20 Jahren auf.

Becker2A : Was sind die Möglichkeiten der Therapie, wenn der Krebs wieder gekommen ist und die bis dahin gut wirksame Hormontherapie nicht mehr wirkt? Ich hoffe sehr, dass es noch weiter geht. Wir brauchen eine Antwort die Mut macht!

PROF. REBMANN: Ich gebe Ihnen die Antwort, die Ihnen Mut machen wird. Nachdem eine wirksame Hormontherapie nicht mehr wirkt, ist die Durchführung eines Testosteronbestimmung im Blut dringend notwendig. Der Testosteronwert muss im Kastrationsbereich liegen. Ist das erfolgt, ist eine sekundäre Hormontherapie, z. B. mit dem Präparat Ketokonazol möglich. Es gibt auch andere Versuche, den PSA-Wert als Ausdruck einer beginnenden oder sich fortsetzenden Metastasierung zu verändern, z. B. das Absetzen eines so genannten Antiandrogens (Bicalutamid) bei maximaler Androgenblockade zu erwägen. Sollte das alles nicht zum Erfolg führen, steht Ihnen eine Chemotherapie als Standardtherapie in dieser Situation mit Taxotere zur Verfügung. Damit ist laut Studien in bis zu 50 % der Fälle ein Abfall des PSA zu erwarten. Bei PSA-Normalisierung ist eine mehrere Jahre mögliche Verlängerung der Überlebenszeit zu erwarten. Dies konnte in Studien gezeigt werden. Allerdings hat jede Therapie Nebenwirkungen, die dann für Sie individuell akzeptabel sein müssen. Grundsätzlich handelt es sich um eine palliative Therapie. Sollten Symptome auftreten, wie Knochenschmerzen, können z. B. Bisphosphonate oder Radionuklide eine deutliche Verbesserung der Schmerzsituation und damit der Lebensqualität bilden. Ältere Patienten profitieren genauso wie jüngere von dieser Therapie.

Deininger : Offenbar ist es von ganz besonderer Bedeutung auf wen man trifft, als Patienten. Ich hatte Glück und wurde in ein High Volume Center für Prostata Erkrankungen Martiniklinik im UKE Hamburg überwiesen. Ich betrachte das als reinen Zufall. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, beim richtigen Arzt. Aber wie läuft das normalerweise? Gibt es davon mehrere in Deutschland?

PROF. REBMANN: Ich gratuliere Ihnen dazu, dass Sie sich in Ihrem behandelnden Zentrum sehr wohl gefühlt haben. Ich hoffe, dass Sie nicht nur im UKE zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, sondern dass es in Deutschland mehrere solcher Einrichtungen gibt. Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert Prostatakarzinomzentren, die die modernste Therapie anbieten können und von unabhängigen Gutachtern kontrolliert werden. Dabei ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit Grundvoraussetzung. Wir haben in Dessau auch ein solches zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum. Ich garantiere Ihnen, dass interdisziplinär viele Kollegen über die Werte und die Situation des Patienten entscheiden, immer nach dem Motto, vier Augen sehen mehr als zwei. Sie sehen daran, dass in Deutschland viel getan wird, um eine patientenorientierte Therapie zu garantieren. Dabei müssen in jedem Zentrum eine größere Anzahl von Operationen von einem Operateur und davon ein mehrfaches im gesamten Zentrum durchgeführt werden.

Weberson : Wieso habe ich nach einer kompletten Prostata-Entfernung immer noch einen PSA-Wert von 2,1? Finde das beunruhigend und kann nachts nicht schlafen aus Angst.

PROF. REBMANN: Ihr PSA-Wert nach Ihrer Prostataoperation ist mit großer Wahrscheinlichkeit Ausdruck eines Tumors, der organüberschreitend operiert wurde. D. h. es bleibt eine gewisse Tumormenge im Körper zurück, die dann PSA produziert. Andererseits können auch Lymphknotenmetastasen eine Erhöhung des PSA-Wertes nach der Operation erzeugen. Sie sollten Ihren Operateur befragen, in welchem Tumorstadium Sie sich befunden haben. Sollte ein organüberschreitender Tumor nachgewiesen werden, ist eine postoperative adjuvante - d. h. zusätzliche - Strahlentherapie in Kombination mit einer Hormontherapie, die zwei Jahre anhalten sollte, durchzuführen. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Urologen exakt dazu beraten. Eine Heilung ist auch dann noch möglich.

Neirat : Ich suche für meinen sehr viel jüngeren Bruder nach einer Möglichkeit den Prostatkrebsk zu heilen, ohne daß er seine Potenz verliert. Er ist erst 33. Ich durchforste das Internet und bin auf diese Sprechstunde gestoßen. Mein Bruder kann auch überall hinkommen. Ich bezahle das. Er hat eine junge Familie und ihm muss dringend geholfen werden. Bitte Prof. Rebmann diese Frage unbedingt vorlegen

PROF. REBMANN: Eine Therapieoption für Ihren Bruder ist die so genannte nerverhaltende radikale Prostatekomie. Diese ist jedoch nur dann durchzuführen, wann das Tumorstadium es zulässt und der Tumor mit großer Wahrscheinlichkeit organbegrenzt entfernt werden kann. Mit dieser speziellen Operationsmethode bleiben die direkt neben der Prostata verlaufenden Nerven und Gefäße erhalten. Danach ist eine Inkontinenz deutlich geringer und es besteht bei exakter Durchführung in mehr als zweidrittel aller Fälle der Erhalt der Potenz. Hilfreich kann postoperativ die Einnahme von Viagra oder einem ähnlichen Präparat sein. Dies dient anfangs zur Verbesserung der Durchblutung des Penis bis eine Regeneration der Nervensituation erreicht ist. Diese Operationen werden in der Regel mit Lupenvergrößerung laparoskopisch oder mit Roboter durchgeführt. Wobei es keinen Unterschied gibt zwischen einer Operation mit einer Lupe oder einem Roboter im Ergebnis.

riechers-wien : Habe Schwierigkeiten mit meinem Cholesterin und nehme seit 6 Monaten dagegen Medikamente. Jetzt habe ich gelesen, dass dadurch nicht nur der Anteil des schlechten Cholesterins gesenkt wird, sondern auch möglicherweise der PSA Wert. Heißt das wirklich, dass dieser Test dann wertlos ist?

PROF. REBMANN: Ich habe von einer Senkung des PSA-Wertes durch Medikamente gegen das schlechte Cholesterin noch nichts gehört. Ich kann Ihnen dazu keine exakte Antwort erteilen.

Gluski : Es geht darum immer mehr Geld sparen zu wollen. Deshalb ist bei mir die Befürchtung, dass wir selbst in den Städten in einigen Jahren die australische Buschvariante vom Outback haben und man als Patient den Doktor nicht mehr zu Gesicht bekommt, weil alles über E-consult ohne persönliches Erscheinen läuft. Was sagt Prof. Rebmann dazu, mache ich mir unnütze Sorgen?

PROF. REBMANN: Ich glaube, Sie machen sich unnütze Sorgen. Die Gesundheitspolitik in Deutschland ist so angelegt, dass zur Zeit eine flächendeckende Versorgung garantiert wird. Die Politik sagt zumindest, dass das in Zukunft so erhalten bleiben soll.

Jolly : Ich dachte, dass ich durch das Einlegen von Seeds um eine Operation herumkomme. Obwohl, diese Behandlung offenbar unabhängig vom Alter ist, ist mir (61J) davon abgeraten worden. Die Erklärung, das Verfahren sei eben nicht für jeden geeignet ist mir zu dünn. Was kann dagegen sprechen, bei mir wurde kein Lymphknotenbefall entdeckt, was dafür?

PROF. REBMANN: Das Einlegen von Seeds in die Prostata im Rahmen einer Prostatakrebserkrankung ist unabhängig vom Alter. Entscheidend ist die Größe der Prostata und die Histologie bei Diagnose. Eine Seed-Implantation ist laut Leitlinien für Patienten mit niedrigem Risiko gut geeignet. Ein niedriges Risiko besteht dann, wenn ein niedriger PSA-Wert, ein Gleasongrad < 7 vorliegt. Eine Metastasierung schließt eine Seed-Behandlung aus. Noch einmal zur Größe der Prostata. Prostatae über 40 bis 50 g sind die obere Grenze für eine Seed-Implantation. Lassen Sie sich von Ihrem Urologen die Gründe nennen, warum eine solche Therapie bei Ihnen nicht möglich ist.

lusebipf : Prostatektomie 12/07 - PCa pT3a,G3,pN0(0/13)Gleas. sc. 3+4. Danach Behandlung mit Zoladex bis 2/09, dann abgesetzt. Bis 07/09 PSA > 0,05, ab 07.10.09 wieder Anstieg auf 0,06, am 10.11.09 auf 0,09. Was tun? Wieder Zoladex oder Casodex nehmen? Danke!

PROF. REBMANN: In dem von Ihnen angegebenen Tumorstadium pT3a handelt es sich um einen organüberschreitenden Tumor, ohne Lymphknotenmetastasen. Die biologische Aktivität, charakterisiert durch den Gleasonscore, ist im mittleren oberen Bereich. Der nach zwei Jahren festgestellte Anstieg des PSA auf ziemlich niedrigem Niveau sollte weiter kontrolliert werden und bei wiederum nachgewiesenem Anstieg ist nach meinem Dafürhalten eine Strahlentherapie der Prostataloge sinnvoll. Die Strahlentherapie ist dann wieder mit einem LHRH-Analogon oder einem Antiandrogen zu kombinieren.

Oracle : Ich hatte sorgfältige Untersuchungen bei denen leider gar nichts herausgekommen ist. Beschwerden: Blut im Urin und Schmerzen im linken Bauch Richtung Leiste. Ultraschall unauffällig, Röntgen kein Ergebnis, Nephrologe findet nichts auffälliges. Seither hatte ich kein Blut mehr im Urin, bin aber sehr verunsichert. Bin seit 6 Wochen arbeitslos, aber Blut im Urin kann ja wohl nicht psychisch sein. Ich gelte als ausreichend durch diagnostiziert und jetzt wird nichts mehr gemacht. Hat Prof. Rebmann einen Vorschlag?

PROF. REBMANN: Blut im Urin kann mehrere Ursachen haben. Eine Ursache kann ein Krebs im Urogenitalsystem, z. B. in der Blase, im Nierenbecken oder im Harnleiter sein. Dieser Krebs wurde bei Ihnen ausgeschlossen. Eine andere Möglichkeit sind entzündliche Veränderungen, die zu Blut im Urin führen können. Hierbei handelt es sich in der Regel zu Blutbeimengungen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Da Sie auch bei einem Nephrologen in Behandlung sind, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um eine so genannte Mikrohämaturie handelte. Wenn nun kein Blut mehr nachgewiesen wird, seien Sie zufrieden, da keine schwerwiegende Erkrankung erkannt wurde.

Kenvor : Nach meinem Kenntnisstand ist Effektivität von Taxotere beim fortgeschrittenen Prostatakrebs bewiesen. Warum wird Taxotere dann nicht in einem früheren Stadium eingesetzt?

PROF. REBMANN: Die Studien, die mit Taxotere beim fortgeschrittenen Prostatakrebs durchgeführt wurden, wurden mit einem Patientengut durchgeführt, welches in einem späten und in einem frühen Tumorstadium war. Aus diesem Grunde ist die Überlebenszeitverlängerung im Durchschnitt nicht sehr groß. Filtert man aber die Patienten heraus, die in einem frühen Tumorstadium gut auf diese Therapie angesprochen haben und keine Symptome hatten, kontte eine deutliche Lebenszeitverlängerung erreicht werden. Patienten in gutem Allgemeinzustand ohne Metastasen im Bauchraum und solche, die eine schnelle Absenkung des PSA-Wertes hatten, profitierten von der Taxotere-Therapie deutlich mehr. Andere Studien, die direkt auf Patienten eingegangen sind, die in einem frühen hormonresistenten Stadium waren, stehen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung, so dass man die von mir getroffenen Aussagen relativieren muss. Von meinem Gefühl her profitieren Patienten in einem frühen Stadium deutlich von einer Taxotere-Therapie, wobei die Nebenwirkungen der Therapie nicht zu vernachlässigen sind. Außerdem spielen das Alter und die Nebenerkrankungen des Patienten die Dynamik der Tumorerkrankung und die generelle Tumorlast eine entscheidende Rolle. Nach exakter Aufklärung des Patienten kann auch in frühem Stadium Taxotere hilfreich eingesetzt werden.

anonym : Macht es einen Unterschied für die Bioverfügbarkeit bei der Herstellung von Taxotere, ob der Grundstoff aus Europäischer oder Amerikanischer Eibe gewonnen wird?

PROF. REBMANN: Sie haben mich gerade auf dem falschen Fuß erwischt, ich kann Ihnen diese Frage leider nicht beantworten. Entschuldigung!

Simon : Sehr geehrter Prof. Dr. med. Udo Rebmann, mein Vater ist 77 Jahre alt. Vor 1 Jahr wurde bei ihm Prostata Krebs festgestellt, was bis jetzt ungefähr so verlief: - Vor 1 Jahr - PSA Wert 17 ? Testostoron-Zufuhr operativ unterbunden (keine Prostata-Entfernung) - Casodex 50 mg 1 Monat lang. - PSA Wert 2,5 ? dann Pause - Wieder Casodex 50 mg 1 Monat lang. - PSA Wert unter 1 ? dann längere Pause - PSA Wert um die 30 - Casodex 150 mg 1 Monat lang - PSA über 100 Parallel dazu streikt seine Leber ? Verdacht auf Leberzirrhose ( obwohl nie übermäßiges Alkoholgenuss, Zigaretten o.ä. und auch keine Hepatitis gefunden). Im Juli wurde CT gemacht ? keine Metastasierung konnte festgestellt werden. Er hat große Mengen an Wasser im Bauchbereich und in den Beinen. Ist meistens sehr müde, fast den ganzen Tag am schlafen, bewegt sich kaum. Hat sehr abgenommen. Mal geht es ihm ein paar Tage besser, mal wieder sehr schlecht. Ein paar mal gab es sogar Phasen da verlor er die räumliche Orientierung, konnte auf Fragen nicht reagieren, nicht wirklich antworten. Ich habe gelesen, dass so was an den giftigen Stoffen liegen kann, die von der Leber nicht abgebaut werden können und ungehindert ins Gehirn gelangen. Die Ärzte tun natürlich ihr Bestes ? 2 ?3 mal wurde das Wasser abgepumpt, er bekommt harntreibende Medikamente (Furasimid, dann Verospiron), von Zeit zur Zeit intravenös Albumin, da zu niedrig, neuerdings Hepa Merz Pulver zum einnehmen. Die Ärzte dort (er lebt im Ausland) raten vor Chemo ab. Da ich meinen Vater und den Bruder von hier aus nur finanziell und Informativ unterstützen kann, versuche ich alle Informationsquellen zu nutzen und bitte Sie hiermit um Hilfe/Rat. Meine Hauptfragen sind: Gibt es wirkliche Alternativen zur Casodex (auf den der Prostatakarzinom anscheinend nicht mehr anspricht), bevor man zur Chemo übergeht (was laut seinen Ärzten zu starke Nebenwirkungen für ihn hätte) ? Kann nur der ProstataKarzinom solche Beschwerden verursachen oder wird es größtenteils durch die Leber verursacht? Danke im Voraus.

PROF. REBMANN: Es tut mit leid für Ihren Vater einen solchen Krankheitsverlauf durchstehen zu müssen. Selbstverständlich gibt es Alternativen zu Casodex. Ein LHRH-Analogon oder eine LHRH-Antagonist sind einsetzbar, wobei auch diese Präparate die Leber beeinträchtigen. Es muss geklärt werden, inwieweit eine solche Therapie Ihrem Vater hilfreich sein kann, die Leberinsuffizienz ist dabei sicherlich eine limitierende Erkrankung. Von einer Chemotherapie kann man abraten. Alles Gute für Ihren Vater!

Beurteilung : Ende 2008 = PSA 1,57, März 2009 = PSA 0,87, ist von allein niedriger geworden. Was bedeutet das?

PROF. REBMANN: Der PSA-Wert ist kein Tumorwert, sondern ein prostataspezifischer Wert der Erkrankungen oder Veränderungen in der Vorsteherdrüse charakterisiert. Er kann erhöht sein bei einer Entzündung der Prostata, bei Krebs und bei normaler Prostatavergrößerung im Alter. Ich gehe davon aus, dass die von Ihnen genannten PSA-Werte keinen Hinweis auf eine Tumorerkrankung erbringen. Eine geringe entzündliche Veränderung kann einen PSA von 1,57 erzeugen, andererseits wissen wir, dass z. B. Fahrradfahren direkt vor der PSA-Abnahme auch den PSA erhöhen kann. Bestimmte Medikamente können das auch. Im vorliegenden Fall können Sie ganz ruhig schlafen, Sie haben größter Wahrscheinlichkeit keine Prostataerkrankung.

MODERATOR: Der Experte macht eine kurze Pause. Wir setzen die Beantwortung Ihrer Fragen in wenigen Minuten fort.

Kunze : Wie finde ich heraus, wer Zweitmeinungskompetenz hat?

PROF. REBMANN: Die Deutsche Krebsgesellschaft hat zertifizierte Prostatakarzinomzentren installiert, die nach einem bestimmten System interdisziplinär arbeiten. Diese Prostatakarzinomzentren werden von Dritten evaluiert auf Kompetenz und Strukturqualität. Zertifizierte Prostatakarzinomzentren gibt es in Deutschland mehrere. Hier finden Sie auf jeden Fall eine Zweitmeinungskompetenz.

Ossiach : Vor ca. 1 Jahr wurde ich in Köln mit der Brachytherapie behandelt. Es wurden 39 Seeds eingelegt, die den Tumor(noch kaum zu erkennen) bestrahlt haben. Werte der Nachkontrolle ergaben: 1. PSA = 0,06, 2. PSA = 0,02, 3. PSA = 0,8, 4. PSA = 0,7. Ab welchem PSA-Wert muß ich aufmerksam werden, welche vorbeugenden Maßnahmen einhalten? Recht herzlichen Dank!

PROF. REBMANN: Sie müssen nach durchgeführter Brachy-Therapie mit den von Ihnen angegebenen PSA-Werten nicht unruhig werden. Nach Strahlentherapie geht der PSA nie in den Null-Bereich. Brachy-Therapie ist eine Form der Strahlentherapie. Sie sollten den PSA allerdings von Ihrem Urologen in bestimmten Abständen - in der Regel anfangs vierteljährlich, dann halbjährlich - kontrollieren lassen. Andere vorbeugende Maßnahmen sind zur Zeit bei Ihnen nicht notwendig. Das ist ein schönes Ergebnis.

Addi_Johannsen : Prostata CA seit 5 Jahren. Vor knapp 21 Monaten letzte Bestrahlung, jetzt plötzlich, ohne ersichtlichen Grund widersteht mir jedes Essen. Ich bekomme nichts mehr runter. Ist das Hinweis auf eine neue Entwicklung, oder einfach zur Tagesordnung übergehen und nicht drum kümmern?

PROF. REBMANN: Die vor 21 Monaten bei Ihnen durchgeführte letzte Bestrahlung kann nicht Ursache Ihrer jetzigen Übelkeit sein. Sie sollten sich einer Magen-Darm-Diagnostik unterziehen. Nach so langer Zeit ist eine Strahlenschädigung nach Prostatakarzinombestrahlung sehr unwahrscheinlich.

anonym : Ich gehe regelmäßig zur Vorsorge und zahle zusätzliche Untersuchungen auch selbst. Mir hat mein Arzt jetzt gerade gesagt., die Prostata-Diagnose über den After sei nur so gut wie der Finger lang sei, also eigentlich völlig unzureichend. Es gibt aber doch sehr viel bessere Methoden, sind die nun zu teuer für die Vorsorge oder warum gehören die nicht in die Programme?

PROF. REBMANN: Ihr Urologe hat Recht. Mit einer digitalen Untersuchung kann Prostatakrebs nur unzureichend untersucht werden. Zu jeder vernünftigen Prostatakrebsvorsorge zählt die Bestimmung des PSA-Wertes. Diese wird jedoch ohne Verdacht auf Prostatakarzinom nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie setzt sich seit langer Zeit dafür ein, den PSA-Wert in das normale Vorsorgeprogramm aufzunehmen. Bisher jedoch ohne Erfolg. Wissenschaftlich ist eine Vorsorgeuntersuchung ohne PSA-Bestimmung nicht zu verantworten.

Triple : Es ist gut, dass geforscht wird, dass Studien gemacht werden. So haben wir Patienten doch noch immer wieder neue Möglichkeiten. Aber wie lange dauert es bis das allein von den Kliniken in die Praxen kommt. An den Zeitraum der vergeht vom Labor bis in die Klinik mag ich gar nicht denken. Gibt es einen Weg diesen Prozess zu verkürzen, aber nicht auf Kosten der Sicherheit?

PROF. REBMANN: Sie haben Recht, es ist ein langer Weg von der Initiierung von Studien mit neuen Medikamenten und die Einführung in die Praxis. Sicherheitsaspekte und Wirksamkeitsnachweise müssen exakt erbracht werden, um einen Vorteil für die Patienten nachzuweisen. Dies ist nicht immer einfach. Sicherheitsaspekte stehen im Vordergrund. Auch wir würden uns manchmal eine schnellere Überleitung von wissenschaftlichen Ergebnisse von der Retorte in die Praxis wünschen, aber wie gesagt, aus verschiedenen Gründen sind die möglichen Wege so zu gehen, wie sie im Augenblick zu gehen sind.

Owusu : Ich finde es ziemlich anstrengend mich in alles einzuarbeiten und stosse dabei immer wieder auf den Gleason Score. Die Bedeutung habe ich aber noch nicht ganz verstanden. Was leitet mein Arzt davon ab, was kann ich als Laie daraus ziehen?

PROF. REBMANN: Es ist für einen Patienten sehr schwierig, sich in die Problematik Prostatakarzinom einzuarbeiten. Der Gleasonscore spielt dabei eine große Rolle. Er charakterisiert die biologische Aktivität und Aggressivität des Tumors. Ein Gleasonscore bis 6 ist für den Patienten positiv, d. h. die biologische Aggressivität ist nicht so groß. Ein Gleasonscore über 7 bedeutet eine prognostisch ungünstigere Situation, da es sich um einen sehr aggressiven Tumor handelt. Entscheidend ist, ob ein Prostatakrebs die Prostata verlassen hat oder nicht. Bei einem organübschreitenden Tumor ist bei einem hohen Gleasonscore eine aggressivere Therapie notwendig.

Astus : Sport gehört seit vielen Jahren untrennbar zu meinem Leben. Ich spiele Fußball (Senioren bin 39), laufe morgens vor dem Frühstück und rudere einmal pro Woche (mehr zum Spaß) Schützt das auch meine Prostata? Komische Frage nicht, oder gibt es einen Sport, der sich besonders positiv darauf auswirkt?

PROF. REBMANN: Ich gratuliere Ihnen, dass Sie so aktiv Sport betreiben. Sport wird Sie nicht vor einem Prostatakrebs schützen, hilft Ihnen aber, neben der körperlichen Fitness, bei nachgewiesenem Prostatakrebs die entsprechende Therapiesituation besser zu bewältigen. Es ist nachgewiesen, dass Sporttreibende deutlich besser eine Operation oder eine Strahlentherapie verkraften als Nichtsportler. Also der positive Aspekt ist neben der Fitness die bessere Bewältigung von Krankheitssymptomen. Eine besondere Sportform gibt es nicht.

Jesteburg : Es gibt eine Substanz, die kann mehr als andere Chemos. Ich glaube die heißt Dokotaxel o.ä. Leider finde ich es nicht im Internet. Warum bekommt man die dann nicht. Ich bin damit nicht behandelt worden vor 3 Jahren und habe jetzt einen Rückfall. Kann man die jetzt bei mir einsetzen, wie bekomme ich die, ich kann schlecht zu meinem Arzt hingehen und sagen ich möchte das. Der erklärt mich wohl für verrückt, wenn ich als Patienten danach frage.

PROF. REBMANN: Die Standardtherapie bei hormonresistentem Prostatakarzinom ist Docetaxel (Taxotere). Ich glaube, Sie meinen diese Substanz. Sie sollten Ihren behandelnden Urologen darauf ansprechen, denn als Standardtherapie steht Ihnen dieses Medikament auf jeden Fall zu, wenn Sie den Therapiewunsch haben und die Begleiterkrankungen es zulassen. Sprechen Sie Ihren Urologen daraufhin an.

Simon : Sehr geehrter Prof. Dr. med. Udo Rebmann, vielen dank für Ihre Antwort. Was sind die LHRH-Analogon oder LHRH-Antagonist, heißen diese Medikamente auch so, oder sind das Oberbegriffe (ich leite alle gewonnenen Informationen als Anregung, über meinen Bruder an seine Ärzte weiter)? Ist es wirklich wahrscheinlich, dass das Leber ihm so zu schaffen macht und nicht der Krebs? Verstehe ich es richtig, dass vor einer Chemo wegen seiner Leber abgeraten wird? Danke im Voraus.

PROF. REBMANN: LHRH-Analoga oder LHRH-Antagonisten sind Überbegriffe. Ich möchte Ihnen keine Firmennamen nenne. Zusätzlich muss abgeklärt werden, ob Ihr Bruder eine Lebermetastasierung hat oder ob eine Leberzirrhose Ursache seiner schweren Erkrankung ist. Die Leberfunktion in beiden Fällen ist entscheidend, die Ausgangssituation (Prognose) bei Lebermetastasen schlechter. Aus diesem Grunde bei Leberzirrhose +/- Lebermetastasen ist eine Chemotherapie eine im Individualfall zu besprechende Therapieoption, um Nutzen und Schaden abzuwägen.

L-Solanger : Ich habe so weit alles durch OP, Bestrahlung, anti Hromontherapie, jetzt soll eine Chemotherapie kommen. Ich habe aber gelesen, dass Chemotherapie nicht besonders wirksam sein soll, weil sie nur auf schnell teilende Zellen Einfluss nimmt, Prostatakrebs aber zu langsam Teilern gehört. Wozu dann die Chemo, um mich zu beruhigen, weil doch noch was getan wird? Andere Option?

PROF. REBMANN: Eine Chemotherapie war bis vor wenigen Jahren bei metastasierten Prostatakrebserkrankungen ohne größeren Erfolg. Durch das Präparat Taxotere ist das jedoch anders geworden. Taxotere gehört zu einer Substanz, welche innerhalb der Zellen Tubulin stabilisiert. Dadurch kommt es zu einer Zerstörung der Tumorzellen bei Prostatakrebs. Die Erfolge sind nicht von der Hand zu weisen. Für Patienten mit wenigen Symptomen, mit einer geringeren Tumorlast, mit einer PSA-Normalisierung nach Beginn der Chemotherapie ist die Erhöhung der Überlebenszeit in einer europäischen und einer amerikanischen Studie nachgewiesen. Sie sollten mit Ihrem Urologen über Vor- und Nachteile dieser Therapie sprechen, wobei Lebensqualität, Alter und Nebenerkrankungen eine Rolle spielen. Die Dynamik des PSA-Progresses ist zu beachten. Die generelle Tumorlast spielt eine weitere Rolle. Die Chemotherapie ist allerdings palliativ, führt zu einer Symptomverbesserung, z. B. Verbesserung der Schmerzen, hat aber Nebenwirkungen. All das sollten Sie mit Ihrem behandelnden Urologen besprechen.

roman : Hintergrund: Vater Prostataca 2003, OP, Strahlen, Antihormontherapie. Jetzt adjuvante Taxotere-Therapie. Ich stoße mich an dem Wort adjuvant. Von Wortstamm her heißt das begleitend. Mein Vater brauch keine Begleitung, sondern eine hocheffektive Behandlung. Interpretiere ich das falsch?

PROF. REBMANN: Ihr Vater bekommt mit der Taxotere-Therapie in dem von Ihnen geschilderten Tumorstadium eine hocheffektive Behandlung. Adjuvant bedeutet, zusätzlich begleitend zu einer LHRH-Therapie (Antihormontherapie). Diese Antihormontherapie sollte auf keinen Fall abgesetzt werden. Sie sehen, dass Ihre Interpretation nicht richtig ist, ich kann aber verstehen, dass Sie sich sorgen. Ihr Vater wird richtig behandelt.

Steinhagen : Mein Vater bekommt einmal im Monat eine Spritze mit einem GnRH Analogon. Wir organisieren dafür in der Familie seinen Transport in eine gut 50km entfernte Fachpraxis. Es wäre für uns alle eine große Erleichterung, wenn er diese Spritze nur alle 3 oder 6 Monate bekommen müsste, oder wenn der Hausarzt bei uns im Ort die Spritze verabreichen könnte. Gibt es dafür eine Lösung?

PROF. REBMANN: Ihr Vater leidet unter einem metastasiertem Prostatakarzinom, wie ich Ihren Ausführungen entnehme. Es ist notwendig, eine GnRH-Analogon-Spritze zu verabreichen. Diese Spritze gibt es in Deutschland für monatliche Injektionen, drei Monate und sechs Monate. Begleitend dazu ist eine PSA-Kontrolle immer vom gleichen Labor mit dem selben Bestimmungssystem notwendig, da sonst ein Vergleich nicht möglich ist. Zusätzlich ist Ihr Urologe für die anderen Untersuchungen des Urogenitalsystems dringend notwendig, z. B. zum Ausschluss von Harnstauungsnieren, die im Laufe der Erkrankung auftreten können und letztendlich zu einem Nierenversagen führen können. Dies nur als Beispiel. Der Hausarzt wäre sicher damit überfordert. Allerdings kann die Spritzenfrequenz auf drei oder sechs Monate verlängert werden. Sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Urologen darüber.

Bösch : Nach erwiesener Unwirksamkeit wurde die Hormontherapie nach 3 jahren erfolgreicher Behandlung abgesetzt. Erhalte jetzt Taxotere. Aber dadurch sind meine Trombos komplett in den Keller gegangen. Während der Hormontherapie ging s mir eigentlich ziemlich gut, so dass ich regelmässig in meiner Agentur wieder gearbeitet habe. Ich habe ausgezeichnete Mitarbeiter, die meinen Einsatz gerade in der schwierigen Wirtschaftslage zu schätzen wissen. Das hat mir viel Auftrieb geben. Durch die Neutropenie geht jetzt gar nichts mehr. Die Behandlung wird reduziert bezw. Ausgesetzt. Das macht mir Angst. Ist das der richtige Weg? Bitte zweite Meinung.

PROF. REBMANN: Nach einer Hormonresistenz ist die Chemotherapie mit Taxotere eine Standardtherapie. Leider kommt es in einigen Fällen zu einer so genannten Neutro- und Thrombopenie. Die Taxotere-Therapie kann mit zwei verschiedenen Schemen durchgeführt werden. Entweder 75 mg/ m² alle drei Wochen oder 35 mg/m² jede Woche. Der Einfluss auf das blutbildende System ist bei der geringeren Dosierung ebenfalls geringer, ohne dass die Wirkung auf den Tumor dramatisch sinkt. Tritt eine Neutropenie auf, sollte sie durch entsprechende Medikamente, z. B. Neupogen, behandelt werden. Es muss ein Weg gefunden werden, der die Tumortherapie ermöglicht und Ihnen gleichzeitig die Nebenwirkungen erträglich macht.

Aleen : Es gibt ja unterschiedliche Wege das wachstum des Tumors zu beeinflussen, am besten zu blockieren. Ich weiß dass die Substanz Docetaxel da besonderes leistet. Aber es bleibt eben doch nur der bisher letzte Ausweg. Kann man beim Prostatakrebs nicht auch die Blutversorgung des Tumors abschneiden, wie man das bei Brustkrebs macht? Das erscheint mir das Sicherste

PROF. REBMANN: Die Standardtherapie des metastasierten hormonresistenten Prostatakrebses ist Docetaxel. Bei anderen Tumoren hat man versucht, die Blutversorgung des Tumors zu unterbrechen. Substanzen, wie Avastin, können das bewerkstelligen. Gleiches gilt für Thyrosinkinasehemmer. Größere Studien dafür liegen jedoch nicht vor. Auf dem letzten amerikanischen Krebskongress sind ermutigende Ergebnisse bei allerdings kleiner Patientenzahl vorgestellt worden. Diese so genannte Target-Therapie ist mit großer Sicherheit die Therapie der Zukunft. Nur im Augenblick wissen wir zu wenig über die richtigen Substanzen bei Prostatakrebs. Vielen Dank für Ihre sehr interessante Frage.

3-Peters : Das Wasserlassen ist bei mir ein immer größeres Problem. Mal dauert es ewig, bis etwas kommt, dann dauert es lange, bis die Blase geleert ist, und nach fünf Minuten meine ich, ich müsste schon wieder Wasser lassen. Normal ist das sicher nicht. Ich bin 52 Jahre alt.

PROF. REBMANN: Sie haben Recht, dass es nicht normal ist, wenn die Miktion so erschwert ist, wie Sie es schildern. Das ist kein ausschließliches Hinweiszeichen für einen Prostatakrebs, sondern eher für eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Sie sollten dringend bei Ihrem Urologen vorstellig werden und einen PSA-Wert bestimmen lassen. Damit kann dann ein Prostatakrebs mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die Therapie einer gutartigen Vergrößerung der Prostata kann medikamentös oder operativ durchgeführt werden, wobei als operative Methode die transurethrale Resektion der Prostata die Standardmethode ist. Sie müssen sich das so vorstellen, dass wie bei einer Apfelsine das Apfelsinenfleisch elektro-chirurgisch entfernt wird und die Schale bestehen bleibt. Sie haben in der Regel keinerlei negative Einflüsse auf Harninkontinenz oder Potenz. Allerdings müssen Sie anschließend weiter den PSA-Wert kontrollieren lassen, da in der Prostatakapsel (Apfelsinenschale) weiterhin ein Krebs entstehen kann. Sie sollten mit Ihren Beschwerden dringend zu einem Urologen gehen.

Fründt : Ich habe seit einiger Zeit sogen. Restharn. Wirkt sich das irgendwann potenzmindernd aus?

PROF. REBMANN: Restharn ist Ausdruck eines Hindernisses zwischen Blase und Penisspitze. Ein Hindernis ist in der Regel eine vergrößerte Vorsteherdrüse, bzw. eine Vorsteherdrüse, die die Harnröhre einengt. Weiterhin können Harnröhrenstrikturen im Verlauf der gesamten Harnröhre ursächlich für die Bildung von Restharn sein. Es gibt Untersuchungen, die konnten nachweisen, dass eine vergrößerte Vorsteherdrüse einen negativen Einfluss auf die Potenz ausübt. Allerdings spielt das Alter, Medikamente für andere Erkrankungen, z. B. Betarezeptorenblocker, und Stoffwechselerkrankungen eine gleichgroße Rolle. Restharn muss beseitigt werden. Sie sollten bei Ihrem Urologen vorstellig werden.

Cape : 2. Rezidiv. Alles fängt von vorn an. Ich weiß vom Beginn meiner Krankheit (2001) da dauerte das endlos, bis was passierte und bis alles ausgewertet war. Hat sich da was getan? Wie kann ich als Patienten dazu beitragen, dass jetzt diese Nerven zermürbende Zeitschiene-Auswertung in die Gänge kommt?

PROF. REBMANN: Sie kritisieren, dass die Diagnostik sehr schleppend bei Ihnen verlief. Das ist sehr bedauerlich. Letztendlich ist eine PSA-Bestimmung innerhalb von wenigen Tagen möglich. Sollten Knochenmetastasen vorhanden sein, ist eine Skelettsynthigraphie ebenfalls zeitnah möglich, so dass ich die von Ihnen kritisierte zermürbende Zeitschiene mit der Auswertung nicht nachvollziehen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass die lange Ungewissheit einen erheblichen psychischen Einfluss auf Sie hat. Trauen Sie sich und sprechen Sie mit Ihrem Urologen darüber.

Ben_Brandt : Können Taxane auch Krebszellen erreichen und vernichten, die bereits im Blut sind und sich überall im Körper befinden können? Die Vorstellung einer kompletten Verseuchung mit Krebszellen finde ich unerträglich. Glaube ich brauche professionellen Beistand, um das aus meinem Kopf zu bekommen, weil es mich gegenwärtig Tag und Nacht dominiert.

PROF. REBMANN: Docetaxel kann auch Krebszellen erreichen, die im Blut und in allen Körperteilen sich gebildet haben. Leider ist es so, dass eine Metastasierung über die Blutbahn oder das Lymphsystem erfolgt und im gesamten Körper sich ausbilden kann. Taxotere kann diese Zellen zumindest in ihrer Vermehrung für Sie positiv beeinflussen. Sollten Sie psychologische Betreuung benötigen, ist das keine Schande, sondern sollte für Sie hilfreich sein. Eine psychonkologische Betreuung gehört zum Standard eines von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Prostatakarzinomzentrums. Im Internet finden Sie das bei Ihnen nächstgelegene Prostatakarzinomzentrum, das Ihnen mit großer Sicherheit Hilfe anbieten wird.

TheoMeister : Sollte eine positive Gewebeprobe noch von einem zweiten Pathologen untersucht werden? Ist das zu vorsichtig? Zahle ich auch gern selbst.

PROF. REBMANN: Eine positive Gewebeprobe - ich glaube, Sie meinen den Nachweis eines Prostatakarzinoms - sollte nicht von einem zweiten Pathologen untersucht werden. Haben Sie allerdings Zweifel an der Diagnose und es beruhigt Sie, können Sie Ihren betreuenden Urologen bitten, eine Zweitmeinung diesbezüglich einzuholen. Grundsätzlich sind Pathologen jedoch Spezialisten, die einen Prostatakrebs ohne größere Probleme diagnostizieren können. Ein Zweifel daran ist sicher nicht angebracht.

Liheng : Wieso wirkt Taxotere anders, als andere Antihormonbehandlungen? Was ist das Besondere?

PROF. REBMANN: Taxotere ist eine Chemotherapie. Eine Antihormonbehandlung beeinflusst die Bildung von Testosteron, d. h. sie unterdrückt die Bildung von Testosteron weil seit vielen Jahren bekannt ist, dass Testosteron wachstumsfördernd für Prostatakarzinome ist. Es handelt sich bei der Chemotherapie und bei der antihormonellen Therapie um zwei völlig verschiedene Therapieansätze.

PROF. REBMANN: Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre wirklich interessanten Fragen, die gezeigt haben, dass Sie mit Ihrer Erkrankung leben müssen, dass diese Erkrankung bei Ihnen Ängste hervorruft und Sie nach Fragen und Antworten Ausschau halten. Ich bedanke mich für Ihre wirklich gut formulierten Fragen und wünsche Ihnen, dass Sie erfolgreich von Ihrem Urologen behandelt werden und zufrieden in die Zukunft schauen können! Vielen Dank Ihr Professor Rebmann



Ende der Sprechstunde.