Blasenkrebs - Mehr Aufmerksamkeit dem vergessenen Krebs
Dr. Gerson Lüdecke
Arzt für Urologie
- medikamentöse Tumortherapie -
Oberarzt der Klinik am Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH
Standort Giessen Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie
Rudolf-Buchheim-Str. 7
35392 Giessen
Tel.: 0641-99-44536
0641-99-44200
Fax: 0641-99-44519
gerson.luedecke@chiru.med.uni-giessen.de
Schwerpunkte
URO-Onkologie
• Chemotherapie aller urologischen Malignome
• Immunchemotherapie beim Nierenzellkarzinom
• Target-Therapie beim metastasierten Nierenzellkarzinom
• Realisation aller Therapien in ambulanter Führung
Photodynamische Therapie beim Harnblasenkarzinom
• Ausbildungszentrum zur Operateursschulung
•
Urodynamik
• Diagnostik und Therapie von Inkontinenz und Blasen-
• Entleerungsstörungen
• Konservativ und operativ (Botox-Therapie,TOT, Netze)
Minimalinvasive endoskopische OP-Techniken
Leiter des Prostatazentrums Mittelhessen
• Koordination interdisziplinärer Therapie beim Prostatakarzinom
• Interne Qualitätskontrolle
• Berichtswesen
• Fortbildung: Ärzte & Patienten
Chemotherapie des Prostatakarzinoms
• Optimierte multimodale Therapie unter Einschluss von Chemotherapie
• Entwicklung von Therapiemodalitäten für alte und sehr alte Männer mit Prostatakarzinom (optimierte Palliation)
Operative Therapie
• Offen chirurgische Prostatachirurgie
• Endoskopische Prostatachirurgie
• Klassische transurethrale Resektion
• Laserresektion mit Revolix-Laser
• Laserablation der Prostata mit Revolix-Laser
• Photodynamische Harnblasentumorchirurgie
• Endourologische Steintherapie mit Laser
Blase
Harnleiter
Nierenbecken
Inklusive flexibler Instrumente bis in die Niere
Ambulanzen
• Onkologische Ambulanz der urologischen Klinik
• Urodynamik Ambulanz
Anmeldung
Onkologische Sprechstunde und Urodynamik Sprechstunde
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Fax.: 0641 – 9944519

PROTOKOLL
19.04.2010
Blasenkrebs - Mehr Aufmerksamkeit dem vergessenen Krebs
DR. LÜDECKE: Wir beginnen um 19 Uhr.
DR. LÜDECKE: Bitte senden Sie weiterhin Ihre Frage(n) zu, wir sortieren alle eingehenden Texte.
Norb_Reiss : Bis vor wenigen Jahren hat man so gut wie gar nichts gehört. Jetzt liest man immer öfter was darüber. Das macht mir Angst. Ist diese Angst berechtigt?
DR. LÜDECKE: Es ist richtig, dass in der Vergangenheit das Blasenkarzinom keine große Öffentlichkeit hatte. Daraus erwuchs das Risiko, dass in Unkenntnis des bestehenden Problems die Menschen nicht vorsorglich mit ihrem potentiellen Problem umgehen können. Eine Vielzahl von Urologen versucht nun seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit europaweit mehr Bewusstsein für das Blasenkarzinom zu schaffen. Oberflächlich betrachtet, kann das allein Angst machen. Aber inhaltlich damit auseinandergesetzt, sollte es für alle Beteiligten eine erhöhte Sicherheit für die Zukunft ermöglichen.
Sprit : Bin 59 Jahre und gehe seit fast 10 Jahren regelmässig zur Prostata-Vorsorge und habe bei der letzten Untersuchung erwähnt, dass ich manchmal einen geschwollenen Oberschenkel habe, der sich bis in die Leiste zieht. Das hat der Urologe dann abgetastet und ist auf stark vergrößerte Lymphknoten gestoßen, dann ging alles sehr schnell. Ich frage mich nun, warum das so spät entdeckt wurde. Für Diabetes gibt es einen Pinkelstreifen, für die Prostata gibt es einen PSA-Test und für die Blase?
DR. LÜDECKE: Ich nehme an, dass Ihre Schilderung beschreiben soll, dass Sie bei Diagnosestellung vergrößerte Lymphknoten, die durch ein Harnblasenkarzinom verursacht wurden, hatten. Grundsätzlich ist die aktuelle medizinische Betreuung beim Harnblasenkarzinom so ausgelegt, dass Symptome vorliegen müssen (sichtbares Blut im Urin, mikroskopisches Blut oder chronischer Harndrang) , damit ein Urologe diagnostische Verfahren in Gang setzt, um bei einer Person das mögliche Vorhandensein eines Blasenkrebses zu prüfen. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist es gut möglich, dass Diagnosen erst spät gestellt werden, da der Tumor in etwa 30 % aller Fälle keine Symptome macht aber dann bei Diagnosestellung bereits ein fortgeschrittener Tumor vorliegt. Wenn Sie das abändern wollen, kann man nur Vorsorgediagnostik durch Urinteste (zellgebunden oder urinlöslich) ohne Symptome vorschalten oder man muss regelhaft eine Zystoskopie als Vorsorgeuntersuchung tolerieren. Eventuell ergibt sich die Möglichkeit, risikoadaptiert in dieser Diagnostik zu verfahren und besonders die Menschen einer Vorsorgeuntersuchung zuzuführen, die unter erkennbar hohem Risiko leben.
Klausner_Berg : Kann man schon die Vorstufe erkennen? Erste Anzeichen von Blasenkrebs?
DR. LÜDECKE: Vorstufe von Blasenkrebs heißt eigentlich Präkanzerose. Häufig ist in diesem Zustand die genetische Veränderung des geschädigten Urotels sehr gering und von daher sind alle zur Verfügung stehenden Diagnostika mit einer Einschränkung der Sensitivität behaftet. Daher muss man davon ausgehen, dass besonders diese frühen Formen nicht in vollem Umfang durch die Diagnostik erkannt werden. Das stellt auf dem Boden der Risikobetrachtung aber kein so großes Problem dar, da das Bedrohungspotential dieser Krebsvorstufen noch gering ist.
Gürth : Ich habe gelesen, dass die Verteilung zwischen Männern und Frauen eher zu Ungunsten der Frauen ist. Stimmt es dass der Gebrauch von Haarfärbemitteln zu Blasenkrebs führt?
DR. LÜDECKE: Allein von der Häufigkeit betrachtet, sind Männer etwa dreimal so oft von Blasenkrebs betroffen wie Frauen (europäischer Raum / USA). Das Bedrohungspotential nach der Diagnose Blasenkarzinom, bezogen auf die Überlebenswahrscheinlichkeit nach Diagnosestellung, zeigt aber in unterschiedlichen Studien, dass Frauen nach Diagnose Blasenkrebs eine etwa 10 % höhere Wahrscheinlichkeit haben, an dieser Diagnose innerhalb von fünf Jahren zu versterben. Zur Frage der Haarfärbemittel: Bis 1980 berufstätige Friseurinnen und Friseure, die vor dieser Zeit Haarfärbemittel beruflich genutzt haben und damit in Kontakt waren, werden bislang von den Berufsgenossenschaften im Falle einer Blasenkrebserkrankung und einem mehr als zweijährigen Kontakt mit diesen Farben in der Berufstätigkeit als Berufskrankheit anerkannt, d. h. in der Konsequenz, Personen die vor 1980 chronisch ihre Haare gefärbt haben (einmal im Monat) haben durchaus ein Risiko zur Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms durch das Haarefärben. Im Jahr 2007 hat es auf Inititative des europäischen Parlaments eine Verordnung gegeben, nach der alle Industriebetriebe, die Haarfärbemittel vermarkten, ihre Inhaltsstoffe offenlegen mussten. Innerhalb der gesetzten Frist sind bei etwa 25 Präparaten diese Listen nicht vorgelegt worden. Daraufhin hat die europäische Kontrollbehörde die Vermarktung dieser Präparate verboten. In der Konsequenz daraus muss man sagen, dass es in der Zeit bis 2007 immer noch potentiell Präparate gegeben haben kann, die Aniline enthielten, die potentiell eine Erkrankung an Blasenkrebs auslösen können und konnten. Die letzte mir bekannte Veröffentlichung zu Inhaltsstoffen in Haarfärbemitteln stammt aus der Zeitung Ökotest 2009, in der auch heute noch bei Haarfärbeprodukten minimalste Spuren anilinhaltiger Farbstoffe gefunden wurden. So dass ich für die Zukunft nicht sicher ausschließen kann, dass für die Zukunft ein Risikopotential bestehen könnte. Für genaue Informationen müssten Sie z. B. bei Ökotest selbst nachlesen. Falls Sie Wasserstoffblondierungen verwenden, ist dies unerheblich. Dunklere Farben haben ein potentiell höheres Risiko.
anonym : Welche Auswirkungen hat Rauchen auf die Blase? Mein Vater raucht einfach weiter, obwohl er offensichtlich Probleme hat, Ich weiß aber nicht, ob das Krebs ist, er spricht nicht darüber. Wie bekomme ich ihn zum reden, wie kann er aufhören mit der Qualmerei?
DR. LÜDECKE: Das Thema Rauchen und Blasenkrebs gehören zusammen wie Nord- und Südpol. Etwa 50 % aller Blasenkarzinome (30.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland) gehen auf das Konto des Rauchens. Dabei ist das Rauchen eine dosisabhängige Vergiftung, je mehr, desto schlimmer. Und je chronischer, desto schlimmer. Man weiß, dass bei einer konsumierten Zahl von mehr als 100.000 Zigaretten das Risiko etwa doppelt so hoch ist gegenüber dem Nichtraucher. Chronische Langzeitraucher, z. B. 40 Jahre 1 Päckchen pro Tag, haben aber etwa 350.000 Zigaretten inhaliert. Daraus ist leicht vorstellbar, dass für diese Personen die Wahrscheinlichkeit, einen Blasenkrebs entwickeln zu können, deutlich steigt. Zu der Frage, ob die Symptome mit dem Rauchen und einem möglichen Blasenkrebs zu tun haben können, kann ich Ihnen leider keine Informationen geben. Es ist durchaus so, dass der Leidensdruck gegenüber Symptomen häufig ausgesprochen lange negiert werden kann und die Leute sich einer medizinischen Betreuung vorsätzlich entziehen. Manchmal hilft es, die Anzahl der selbst konsumierten Zigaretten selbst zu thematisieren und über das Erschrecken oder Entsetzen selbst etwas bewegen zu können. Dies kann unter Umständen auch zur Initiierung einer Rauchentwöhnung helfen. Man muss aber leider sagen, dass chronische Raucher Suchtkranke sind und von der Seite sehr intensive medizinische Unterstützung durch dafür geschulte Spezialisten dafür nötig ist, um erfolgreich eine Rauchentwöhnung zu erreichen.
Grebenstein : Die Blähungen haben sich als Blasenkrebs entpuppt??dabei war die Sonographie okay. Wie soll man auf eine solche Diagnose kommen? Weder im Blut noch bei der letzten Darmspiegelung war irgend etwas auffällig. Aber beim Fingertest sagte der Urologe gleich, da stimmt was nicht, da ist was, was da nicht hingehört. Wieso bringt die ganze Apparatediagnostik nichts, aber der Fingertest sofort?
DR. LÜDECKE: Ultraschall der Harnblase ist nur bei gefüllter Harnblase mit einer relativen Aussagesicherheit gekoppelt. Die Darmspiegelung hat keinerlei Aussagekraft zur Beurteilung von bösartigen Erkrankungen außerhalb des Dickdarms, so dass Sie durch diese Untersuchung keinerlei Informationen zum Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms bekommen können. Wenn bei einer transrektalen Untersuchung mit dem Finger eine suspekte Raumforderung ertastet wird, so liegt in der Regel eine fortgeschrittene Erkrankung vor und ist nicht der Apparatediagnostik überlegen, sondern die Apparatediagnostik, so wie sie durchgeführt wurde, hatte keine oder nahezu keine Aussagekraft zur Beantwortung der Frage, ob ein Harnblasenkarzinom vorliegt oder nicht. Markerteste, Zytologie und Zystoskopie in der Kombination sind die sicherste Diagnostik zum Nachweis eines Harnblasenkarzinoms, egal ob im Frühstadium oder bereits fortgeschritten.
Tatus : Es gibt offenbar eine Behandlungsform für fortgeschrittenen Blasenkrebs, die auch bei TBC gut wirkt. Ich habe Blasenkrebs, der leider erst sehr spät festgestellt wurde und es steht die Entscheidung an zwischen neuer Blase oder schwerer Chemotherapie. Macht es Sinn erst die Chemo zu versuchen und dann als letzte Alternative die neue Blase einzusetzen? Wie ist die Chronologie
DR. LÜDECKE: Eine fortgeschrittene Blasenkrebserkrankung kann unter Umständen bei nachgewiesener Metastasierung in der unmittelbaren Umgebung der Harnblase durch eine so genannte vorgeschaltete (neoadjuvante) Chemotherapie um 5 bis 8 % im Aspekt auf die mittelfristige Wirksamkeit verbessert werden. Dabei kann aber keinerlei Chemotherapie unter Zielsetzung einer mittel- bis langfristigen erfolgreichen Behandlung des Blasenkrebses die radikale Entfernung der Harnblase erübrigen. Es gibt für Leute, die besonders eingeschränkt sind und großen Operationen nicht zugeführt werden können, die Möglichkeit, den Blasenkrebs anstelle dessen mit einer Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie zu behandeln. Dabei sind die Überlebensdaten in etwa so leistungsstark wie für die Operation. Hierbei muss eine Diskussion zwischen Urologen, Onkologen und Strahlentherapeuten gesucht werden, um den bestmöglichen Therapiewert im Einzelfall erarbeiten zu können.
Mosbacher : Mit meiner neuen blase komme ich ganz gut zurecht und bin dankbar, dass ich so einen guten Chirurgen hatte, der das alles so gut gemacht hat. Aber ich habe immer wieder über längere Zeit Durchfall und zwar ganz schlimmen Durchfall. Das ist sehr belastend. Bisher hat noch keine Maßnahme geholfen. Hat der Experte vielleicht einen Tipp?
DR. LÜDECKE: Eine mögliche Erklärung für die chronische Durchfallsymptomatik könnte darin liegen, dass durch eine Neoblase eine chronische Stoffwechselbelastung erzeugt wird, da nämlich eine Vielzahl von Inhaltsstoffen des Urins durch die Darmersatzblase in die Blutbahn zurück resorbiert werden und diese Stoffe eventuell auf die Darmmotorik mit Durchfallneigung eine Wirkung haben können. Medikamente zur Hemmung der Darmbeweglichkeit können hierbei eventuell helfen und zusätzlich sollte eine ausgiebige Überprüfung der Resorbtionsfähigkeit des Dünndarms durch einen Gastroenterologen erfolgen, da nämlich der untere Dünndarmanteil zur Resorbtion von Speiseinhaltsstoffen fehlen kann und deshalb ebenfalls chronischer Durchfall begünstigt werden kann. Eventuell sind medikamentöse Substitutionsbehandlungen durch Tabletteneinnahme oder intramuskuläre Injektionen von Vorteil, um die Symptomatik zu mildern.
Kubix : Habe mich hier nur eingelogged weil ich Donnerstag eine Leistenbruch-OP habe. Die wird mit Schlüsselloch-Technik gemacht. Könnte der Chirurg nicht mal mit Licht und Kamera auf die Blase schwenken, damit man von außen einen Eindruck bekommt? Kann ich ihn darum bitten, oder mache ich mich lächerlich?
DR. LÜDECKE: Leider ist eine Betrachtung der Blase von Außen ohne Aussagekraft zur Beurteilung von Blasenkrebs. Ihr Chirurg wird sicherlich ein Schmunzeln, wenn Sie danach fragen, nicht unterdrücken können.
Hinweis : Testen Sie Ihr persönliches Risiko www.risikocheck-blasenkrebs.info Ihre Antworten auf die Test-Fragen gehen in ein Berechnunssystem mit Risikopunkten ein. Dieser Test ist validiert.
Lampke : Bei meinem Papa ist Blasenkrebs festgestellt worden, aber wir wissen noch nicht wie groß der Tumor ist. Könnte Dr. Lüdecke bitte sagen, ob in jedem Fall die ganze Blase entfernt wird, oder ob das vom Stadium abhängt?
DR. LÜDECKE: Blasenkrebs hängt in seiner Aggressivität von der Eindringtiefe und der bösartigen Entartung des Gewebes ab. Solange der Blasenkrebs noch nicht die kräftigen äußeren Muskelschichten der Harnblasenwand erreicht hat, kann Blasenkrebs in sehr vielen Fällen organerhaltend und langfristig durch endoskopische Behandlungen erfolgreich beherrscht werden. Erst, wenn der Tumor in die tiefen Muskelschichten eingewachsen ist, ist eine große radikalchirurgische Therapie notwendig.
Ortwin : Wenn die Blase chirurgisch herausgeschnitten ist, läuft mein Opa dann den Rest seines Lebens mit einem angehängten Beutel herum? Wie schrecklich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
DR. LÜDECKE: Die Frage der Harnableitung nach chirurgischer radikaler Entfernung der Harnblase muss nach mehreren Gesichtspunkten zwischen dem behandelnden Urologen und dem Patienten besprochen und vereinbart werden. Sofern der Tumor auf das Organ begrenzt ist und das Alter unter 70 Jahren liegt und die Harnröhre keinen Urotelkarzinom aufweist, so kann man in den meisten Fällen eine so genannte Darmersatzblase aus Dünndarm an die Harnröhre annähen und der Patient ist in der Lage, mit einem funktionierenden Schließmuskel den Urin in dieser Ersatzblase zu sammeln und willkürlich zu entleeren. Bei Menschen, die eine bekannte Schwäche des Schließmuskels haben oder aber der Erkrankungszustand fortgeschrittener ist oder aber ein höheres Alter vorliegt, ist es besser, über einen künstlichen Ausgang in Form eines Stomas im rechten Unterbauch zu reden. Da nämlich eine inkontinente Ersatzblase viel schlechter zu versorgen ist als eine aufklebbare Beutelversorgung im rechten Unterbauch. Zusätzlich kommen Gesichtspunkte der zu ausgeprägten Stoffwechselbelastung im höheren Alter unter eine Neoblase hinzu, die die alten betroffenen Menschen dann in ihrer Leistungsfähigkeit (zelebral) beeinträchtigen, was bei einem künstlichen Ausgang in dieser Form fast nie vorkommt. Bei besonders fortgeschrittenen Erkrankungszuständen ist es leider so, dass auch eine Harnableitung über Nierenfisteln (Abflussschläuche durch die Haut nach außen an beiden Seiten auf der Hinterseite) notwendig werden kann. Dieser Zustand ist aber in der Regel durch die behandelnden Operateure im Vorhinein bereits ankündigbar.
Fakt : Gibt es Erkenntnisse darüber, wie die Aussicht auf Heilung ist, wenn Lymphknoten befallen sind?
DR. LÜDECKE: Bei einem Lymphknotenbefall handelt es definitionsgemäß um eine metastatische Erkrankungssituation. Hierbei steigt das Bedrohungspotential gegenüber keiner Metastasierung deutlich an. Die langfristigen Überlebensperspektiven des einzelnen Betroffenen sind nicht vorhersagbar. Bei einem so kritischen Befund sollte eine ausgiebige Diskussion mit dem behandelnden Ärzteteam vor Ort erfolgen.
Ditti : Hatte nach einer Bauch-OP schon mal einen Blasenkatheter. Das hat noch Tage nachdem er gezogen war höllisch wehgetan. Was muss ich da nach einer Blasenspiegelung erwarten?
DR. LÜDECKE: Langfristigere Katheterversorgungen in der Harnröhre sind in der Regel belastender als eine einmalige Zystokopie über 10 bis 15 Minuten. Die am wenigsten belastende Form der Zystokopie ist die flexible Zystokopie. Sollten Sie also besondere Befürchtungen wegen der Zystokopie haben, fragen Sie Ihren Urologen nach der Möglichkeit einer flexiblen Zystoskopie. Hierbei wird ein Gerät benutzt, dass sich biegsam wie eine Schlange dem anatomischen Weg der Harnröhre anpasst und deshalb am besten toleriert werden kann.
Springnitz : Was wird bei einer Zystoskopie gemacht?
DR. LÜDECKE: Mit einer Zystoskopie wird der gesamte Weg vom Eingang der Harnröhre bis in die Blase beurteilt und danach die Blase selbst. Hierbei sollte ruhig und systematisch die Oberfläche der Blase, ähnlich einem Kartographieflugzeug, abgefahren werden, um sämtliche Anteile der Blasenschleimhaut einsehen zu können und eine verantwortliche Beurteilung dafür abgeben zu können. Es gibt Einzelfälle, wo die Toleranz gegenüber der Untersuchung oder aber Blutbeimengungen aus der Blase selbst bei einer Zystoskopie eine unzureichende Übersicht bzw. inkomplette Beurteilung der Blase hervorrufen und in diesen Fällen muss zur verantwortlichen Beurteilung das Ganze unter Betäubungsbedingungen wiederholt werden.
Buddes : Kann ich eine lokale Betäubung haben für eine Blasenspiegelung? Kann mir nicht vorstellen das ohne zu machen. Allein der Gedanken, dass da ein Gerät in meinen Penis eingeführt wird ist für mich unvorstellbar.
DR. LÜDECKE: Bei jeder Zystoskopie wird eine lokale Betäubung in der Harnröhre durchgeführt, um die Toleranz der Untersuchung beim Patienten sicherzustellen. Trotzdem kann Lokalanästhesie in manchen Fällen nicht ausreichen und muss dann durch intensivere Form der Betäubung, eventuell mit einem Anästhesisten, erreicht werden.
Schulli : Ich habe 20 mg Mitomycin einmal wöchentlich über 6 Wochen. Es folgte eine Nachoperation und jetzt geht es noch ein Jahr weiter. Ich komme damit ganz gut klar, denn was wäre die Alternative?? Aber ich habe inwzischen gelesen, dass dadurch mein Knochenmark geschädigt werden kann. Das haut mich völlig um. Da hole ich mich gleich die nächste große Erkrankung rein. Das kann doch nicht der Sinn sein?!
DR. LÜDECKE: Die Mitomycininstilation ist mit einer Resorbtion des Wirkstoffes in die Blutbahn behaftet, der um mindestens vier bis fünf Potenzen niedriger liegt als die Dosis, die eine Veränderung am Knochenmark machen kann. Daher ist der Wirkstoff für Ihr Knochenmark unter diesem Applikationsweg kein Risiko. Die Angaben, auf die Sie sich wahrscheinlich beziehen, gelten für eine Infusionstherapie mit Mitomycin. Von dieser Seite können Sie also beruhigt sein, dass Mitomycin Ihnen unter dieser Medikation und Applikationsform keine Knochenmarksschädigung beifügt.
Multo : Vor 2 Jahren Prostataca, aber verkapselt und noch nicht gestreut. Hatte natürlich viele Untersuchungen. Jetzt besteht Verdacht auf Blasenkrebs. Hängt das miteinander zusammen? Warum ist keiner auf die Idee gekommen, auch mal die Blase anzugucken? Wird das grundsätzlich nicht gemacht, oder bin ich die Ausnahme und habe einfach nur Pech gehabt, dass ich beim falschen Urologien war? Fällt mir schwer das so lapidar zu formulieren, denn real habe ich gerade ganz große Angst.
DR. LÜDECKE: Das Prostatakarzinom ist besonders dann ein Risikofaktor zur Erzeugung oder besser gesagt nachfolgenden Entwicklung von Blasenkrebs, wenn das Prostatakarzinom durch Bestrahlung behandelt wurde. Bei einer Radikalentfernung der Prostata auf operativem Wege, gibt es kein erhöhtes Risiko zur Entwicklung eines Blasenkarzinoms. Bei jeder Operation vor Radikalentfernung der Prostata wird eine Blasenspiegelung zur Prüfung auf das Vorhandensein eines Blasenkarzinoms durchgeführt. Dies wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch zur Ihrer Behandlung vor zwei Jahren gemacht worden sein. Dass Sie jetzt ein so genanntes Zweitkarzinom in der Harnblase entwickelt haben, ist von der Risikowahrscheinlichkeit durch das Prostatakarzinom nicht bedingt. Das Risiko zur Entwicklung eines solchen Karzinoms war bei Ihnen im Verlauf genauso hoch, wie wenn Sie nicht am Prostatakarzinom operiert worden wären. Nur im Bestrahlungsfall macht die Bestrahlung ein höheres Risiko zur Entwicklung des Blasenkarzinoms. Dann entsteht dieses Karzinom mit einer Latenz von in der Regel 5 bis 10 Jahren nach Behandlungsereignis. Da ich aber Ihre Krankengeschichte nicht genau genug dafür kenne, kann ich Ihnen an dieser Stelle nicht weiterhelfen.
Hinweis : Testen Sie Ihr persönliches Risiko www.risikocheck-blasenkrebs.info Ihre Antworten auf die Test-Fragen gehen in ein Berechnunssystem mit Risikopunkten ein. Dieser Test ist validiert.
Frage an Dr. Lüdecke: WICHTIG. Mein Opa bespricht so was sonst nicht mit mir, aber er hat gesagt ich soll Blasenkrebs im Internet recherchieren. Da bin ich auf diese Sprechstunde gestossen, jetzt sitzen wir hier zusammen. Diagnose Blasenkrebs, entdeckt bei Routine-Untersuchung, war gleich mit Finger zu fühlen. Gibt das Rückschluss auf Lage, Größe, Perspektive?
DR. LÜDECKE: Ich nehme an, Sie sprechen von einer Untersuchung des Enddarms mit dem Untersuchungsfinger. Wenn unter diesen Bedingungen ein Verdacht auf eine Blasenkarzinom mit einem solchen Tastbefund vorliegt, dann spricht vieles dafür, dass es sich um größeres Karzinom handelt, welches prinzipiell auch perspektivisch bedrohlichere Aussichten bietet.
Pelka : Kann der Experte etwas sagen zum Impfen? Habe eine Neoblase, Lymphknoten entnommen, Anzahl weiß ich nicht und meine Frage ist, ob Impfserum z.B. Tetanus etc.durch die verminderten Lymphknoten anders verteilt wird im Körper?
DR. LÜDECKE: Die Anzahl der entnommenen Lymphknoten nimmt keinerlei Einfluss auf die mögliche Wirksamkeit von Impfungen und auch jedwede geplante Impfung kann ohne Bedenken durchgeführt werden.
Calle : Mein Papa hat eine schreckliche Dianose bekommen. Es heißt ja immer, dass man als Patient mitentscheiden soll und auch kann. Dazu brauche ich Informationen. Kann man irgendwo nachlesen welche Therapieformen bei Blasenkrebs besonders wirksame sind?
DR. LÜDECKE: Die Art der Informationen für Betroffene sind äußerst manigfaltig, einerseits liegen seriöse Informationen im Internet auf verschiedenen Webseiten vor und versuchen die einzelnen Therapieformen mit den dazugehörigen Perspektiven zu erläutern. Dies sollte man gegeneinander vergleichen, um sich eine einigermaßen objektive Einführung in diesem Problemkreis zu erarbeiten. Eine andere Qualität von Informationen ist dabei die Erfahrungswelt von Betroffenen. Hierzu gibt es im Internet ein großes Forum aus dem Bereich der Selbsthilfegruppen Deutschlands zum Thema Harnblasenkarzinom. Wenn Sie bei Google Harnblasenkrebs eingeben werden Sie unter den 10 ersten Informationen dieses Informationsportal finden. Um als Betroffener im Entscheidungsprozess mitreden zu können, ist es sicher von Vorteil, neben den objektiven Informationen auch Informationen aus dem Betroffenenkreis zu haben, da diese Menschen alle einen erlebten Informationsvorsprung aufgrund der durchgemachten Erkrankung und den erlebten Behandlungsergebnissen haben. In der Regel sind die Menschen in der Selbsthilfe aufgeschlossen und schnell bereit auch auf Fragen zu antworten. Mit einer solchen Vorbereitung werden Sie sicherlich ein Gesprächspartner für den Urologen sein, der sich inhaltlich bei der Findung des optimalen Therapieweges einbringen kann.
Katzer : Wie gelingt es Ärzten immer klar zu sagen, das ist dieser und jener Krebs. Kann nicht auch Darmkrebs, über den man ja viel mehr weiß, als Blasenkrebs, Metastasen in der Blase bilden und dann ist es gar kein eigentlicher Blasenkrebs?
DR. LÜDECKE: Durch die Gewebegewinnung im Rahmen der endoskopischen Operation erhält ein Pathologe das entnommene Gewebe und untersucht es unter dem Mikroskop. Aufgrund des mikroskopischen Bildes und ergänzender immunhistochemischer Färbungen kann in 99 % der Fälle eine sichere Zuordnung zum verursachenden Gewebe vom Pathologen erarbeitet werden. Auch eine Metastase eines anderen Organs in der Harnblase wird auf diese Art und Weise mit höchster Sicherheit identifiziert und trägt dann dazu bei, dass der Therapieweg auf das Problem angepasst durchgeführt wird.
Hilly : Wie lang ist die mittlere Überlebenszeit bei Blasenkrebs, wenn schon Metastasen bei der Erstdiagnose vorhanden sind?
DR. LÜDECKE: Das Bedrohungspotential dieser Diagnosenkonstellation ist sehr hoch. Dieses Risiko wird mit dem Maß der Fünfjahres-Überlebenswahrscheinlichkeit näherungsweise beschrieben. Beim Harnblasenkarzinom ist die Fünfjahres-Überlebenswahrscheinlichkeit in europäischen und amerikanischen Studien zwischen 10 und 15 %.
Zemite : Was ist mit Operationen im Bauchbereich, wenn man eine künstliche Blase hat. Da hat ja offenbar ein ziemlich großer Umbau im Bauch sattgefunden. Ich habe immer noch meinen Blinddarm und manchmal ziept es da. Warum wird speziell der Blinddarm nicht gleich mt entfernt, weil der doch ein Risiko ist? Ich trau m ich nicht zur Untersuchung, kann ja auch was mit der Leiste sein. Wäre dann aber ein ähnliches OP-Problem. Und jetzt?
DR. LÜDECKE: In den meisten Operationszentren wird bei einer Radikalentfernung der Harnblase mit Einbau einer Ersatzblase im gleichen Arbeitsgang der Blinddarm grundsätzlich entfernt. Ich würde also an Ihrer Stelle aus Sicherheitsgründen nochmals mit den Operateuren sprechen, ob dies nicht eventuell auch bei Ihnen erfolgt ist. Wenn man neuerlich in den Bauch operieren muss bei einer vorhandenen Neoblase, dann sollte dies idealerweise in dem Krankenhaus erfolgen, wo auch die Urologen die Neoblase eingebaut haben, damit die Schonung dieses aufwändigen Kunstproduktes so sicher wie möglich erfolgt. Idealerweise sollte das bauchchirurgische Team mit einem Urologen gemeinsam die anstehende Operation durchführen.
Edu Weiß : Ich hätte mir gewünscht, dass ich besser eingwiesen werde, wie man das mit einer künstlichen Blase (aus einem Darmstück) macht. Das war nicht der Fall. Ich habe das bemängelt, aber offenbar haben die in der Klinik niemanden dafür. Wo finde ich niedergelassenen Bereich jemanden, der mir das mal ordentlich zeigt?
DR. LÜDECKE: Am besten suchen Sie Ihren niedergelassenen Urologen, der für die Nachsorgebetreuung Ihrer Erkrankung zuständig ist, auf und bringen Ihre noch offenen Fragen vor. Der niedergelassenen Kollege sollte in der Lage sein, Ihnen diese zu beantworten. Manchmal ist im klinischen Alltagsbetrieb einer Praxis aber für eine solche Unterhaltung innerhalb des Routinebetriebs wenig Zeit. Daher ist es sicherlich sinnvoll, mit dem niedergelassenen Kollegen die Thematik vorab zu besprechen (bzw. anzukündigen), um Ihnen einen Termin einzuräumen, der Ihren Fragen und Ihrem Zeitaufwand gerecht wird. Neben der ärztlichen Beratung finden Sie auch viele Informationen im Bereich der oben genannten Selbsthilfe.
KBWH : T 1,5 N1 M0 gute oder schlechte Perspektive?
DR. LÜDECKE: Diese Klassifizierung T 1,5 gibt es nicht. Entweder es ist ein T1-Karzinom, noch nicht in die Tiefenmuskulatur eingewachsen oder ein T2-Karzinom, bereits in die Tiefenmuskulatur eingewachsen. Die Codierung N 1 sagt, dass in Lymphknoten ein Verdacht auf Absiedlungen besteht. Dies stellt einen deutlichen Bedrohungsaspekt dar. Zur genauen Beratung müssen Sie Ihren behandelnden Urologen aufsuchen, dies ist im Internet nicht diskutierbar.
Steph.Polster : Ich gehe einmal im Jahr zur gynäkologischen Vorsorge. Seit ein paar jahren bekomme ich immer einen Zettel mit Angeboten von Zusatzleistungen. Das nervt mich total. Ich bin nicht auf dem Trip zum Gesundheits-shoppen deshalb lehne ich das alles immer ab. Andererseits denke ich dann hinterher länger darüber nach, ob das jetzt ein Fehler war. Es ist so schwer abzuwägen als Patient, weil ich weiß, dass viele dieser Angebote einfach nur Kappes sind und auch Ärzte unnötigen Quatsch anbieten, weill sie nicht mehr genug verdienen, was ja legitim ist, aber ich will das nicht finanzieren. Wie kann ich als Patient herausfinden, was Sinn macht und was nicht?
DR. LÜDECKE: Ihre Beschreibung ist eine sehr gute Zusammenfassung zur Hinterfragung der Sinnhaftigkeit von so genannten IGEL-Leistungen in der niedergelassenen Praxis. Niedergelassene Ärzte leben in dem Spagat zwischen guter Medizin und Betriebswirtschaft. Das hat in den meisten Fällen noch nicht mal etwas mit "Reichwerden" zu tun. Vorsorgeleistungen - wie es hier beim Blasenkarzinom prinzipiell möglich ist - gehören in die Gruppe der IGEL-Leistungen. Das Blasenkarzinom bietet etwas Besonderes. Es ist eine Erkrankung, die durch eine Vielzahl von uns bekannten Risikofaktoren in seiner Entstehung begünstigt wird. Insofern kann beim Blasenkarzinom eine risikoadaptierte Vorsorge betrieben werden. Sollte also ein erhöhtes Risiko zur Entstehung eines Blasenkarzinoms bei Ihnen vorliegen, so macht es Sinn, vorsorglich nicht in nichtinvasive diagnostische Verfahren gegen Bezahlung durchzuführen. Sind Sie aber ein Mensch ohne Risiko, so ist die Wahrscheinlichkeit ein Urotelkarzinom zu entwickeln mit kleiner 30 pro 100.000 gering und es ist statthaft, dann auch auf Geldausgaben zu verzichten. Außerdem müssen Sie sich natürlich hinterfragen, wieviel Sicherheit aber auch mögliche Verunsicherung Sie durch diese Vorsorgemaßnahmen finanzieren wollen bzw. können. Die meisten im Bereich Blasenkarzinom angebotenen Schritte sind vom Kostenaufwand jedoch gering und können in der Relation z. B. zum Bedrohungspotential des Rauchens etwa so ins Verhältnis gesetzt werden: Sechs Päckchen pro Jahr sind der äquivalente Kostenaufwand zu einer Vorsorgeuntersuchung.
Hinweis: : Testen Sie Ihr persönliches Risiko www.risikocheck-blasenkrebs.info Ihre Antworten auf die Test-Fragen gehen in ein Berechnunssystem mit Risikopunkten ein. Dieser Test ist validiert.
E-Korropp : Eigentlich komme ich mit dem Pauch ganz gut zurecht, wenn es nicht immer wieder Probleme mit dem ausgang geben würde. Der ist bei mir im Bauchnabel. Das fand ich anfangs gut, aber gerade gibt es immer die Probleme. Inzwischen weiß ich, dass das gar nicht so selten ist, aber das nützt mir auch nichts das zu wissen. Würden Sie mir zu einer Verlegung raten?
DR. LÜDECKE: Ein Umbau eines Nabel-Pouches operationstechnisch in eine andere kontinente Form der Harnableitung ist extrem aufwändig und risikoreich. Insofern würde ich Ihnen von einem "Umbau" abraten. Sollte die Katheterisierung aber unmöglich werden, z. B. auf dem Boden von chronischen Entzündungen an der Nabelhaut mit narbiger Verengung, so kann dies über endoskopische Technik bearbeitet werden und Ihnen damit wieder ein freier Weg in den Pouch hergestellt werden.
Jona-Dohrn : Nachkontrollen wurden langsam ausgeschlichen. Bin jetzt bei 2 Jahresabständen. Fühle mich körperlich wohl, aber nicht mit den großen Unersuchungs-Abständen. Kann ich darauf dringen jährlich eine Kontrolle zu erhalten? Bin bei der TK.
DR. LÜDECKE: Die meisten Menschen sind sehr glücklich darüber in ihren Nachsorgen weniger Zystoskopien zu erhalten. Aufgrund des chronischen Problems beim Urotelkarzinom sollte man aber bei jährlichen Abständen grundsätzlich bleiben. Besonders dann, wenn man im vorherigen Lebensabschnitt Risikoexpositionen mit Giftstoffen hatte, die grundsätzlich eine Neubildung eines Urotelkarzinoms begünstigen können. Sollten Sie eine radikalchirurgische Operation erhalten haben, so ist auch in diesen Fällen eine jährliche Verlaufskontrolle zur Beurteilung der Abflussverhältnisse beider Nieren und der Stoffwechselsituation sinnvoll und anzustreben. Die Reduktion Ihrer Verlaufskontrollen hat sicherlich nichts mit Leistungseinschränkungen durch die Krankenkasse zu tun, sondern wird am ehesten bei gutem Verlauf eine Lebensbetreuungsentscheidung Ihrer betreuenden Ärzte gewesen sein. Falls Sie sich hierunter aber zu unsicher fühlen, bin ich sicher, dass Ihre Ärzte auch keine Einwände gegen jährliche Kontrollen haben würden.
netmouse : Gibt es Medikamente wie Chemotherapien speziell bei Blasenkrebs oder versucht man mit dem vorhandenen Mittel auch den Krebs zu bekämpfen.
DR. LÜDECKE: Der Einsatz von Chemotherapeutika bei Blasenkrebs findet einerseits beim nichtinvasiven Blasenkrebs mit Gabe in die Blase als Vorsorgemaßnahme statt. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen werden Chemotherapien zur Vorbeugung von Metastasen eingesetzt. Hierunter sollen die Krebszellen, die sich im Körper verteilt haben, abgetötet werden und der Krebs langfristig beherrscht werden. Andere Medikamente zur Behandlung des Blasenkrebses in Tablettenform oder als Infusionen gibt es bislang nicht.
Kuddel : Habe 30 jahre auf Bau gearbeitet. Da haben wir zu anfang mit Asbest gearbeitet bei Dämmung und Zwischendecken. Gehe regelmäßig zur Lungeuntersuchung. Auf welche anderen Organe wirkt asbest? Auch auf die Blase?
DR. LÜDECKE: Das Arbeiten auf dem Bau birgt in sich dann ein Risiko zur Ausbildung eines Blasenkrebses, wenn die Bauarbeiter mit Bitumen und Teer gearbeitet haben. Asbest ist kein Werkstoff, der ein Blasenkarzinom auslöst. Sollten Sie also die genannten Werkstoffe nicht benutzt haben, so können Sie sich wegen Ihrer Asbestbelastung und dem Thema Blasenkrebs beruhigt zurücklehnen. Anderenfalls sollten Sie einen Urologen aufsuchen, um eine Vorsorgeuntersuchung bei Bitumen- und Teerexposition für die Zukunft sicherzustellen. Wichtig ist an dieser Stelle, dass im Falls einer Blasenkrebsentwicklung unter berufsbedingter Teerexposition eine Berufserkrankung vorliegt, die vom behandelnden Urologen über Verdachtsmeldung der zuständigen Berufsgenossenschaft gemeldet werden muss und in der Regel zur Anerkennung zur Berufserkrankung führt. Sollte dies von der Berufsgenossenschaft abgelehnt werden, so muss es nicht schicksalhaft hingenommen werden, sondern Sie sollten mit einem Arbeitsrechtler gemeinsam dagegen Einspruch erheben, um Ihren Rechtsanspruch auszufechten.
Dawuda : Es gibt Reihenuntersuchungen für Brustkrebs und ich glaube auch für Prostata. Wer kommt mal auf Idee für Krebserkrankungen der zentralen Organe grundsätzlich Reihenuntersuchungen einzuführen? Das würde die ersten 10 Jahre sicherlich das System belasten, weil die Zusatzkosten parallel zu den vorhandenen Therapiekosten anstehen. Aber schon nach 5 Jahren müssten die Kurven auseinandergehen und nach 10 Jahren das Gesundheitssystem entscheidend entlasten, weil hohe Therapiekosten eingespart werden. Allerdings würde das wiederum die Rentenkassen belasten. Vielleicht ist ja alles so gewollt, wie es ist, oder?
DR. LÜDECKE: Zuerst einmal zur Prostata. Als alleinige Vorsorgeuntersuchung zu Prostatakrebs wird von der KRankenkasse die rektale Untersuchung mit dem Finger bezahlt. Alle anderen Untersuchungen gehen zu Ihren Lasten. Bei anderen Krebsarten gibt es überhaupt keine von der KRankenkasse finanzierte Vorsorgediagnostik. Die von Ihnen aufgeführte volkswirtschaftliche Kalkulation ist nicht ganz so einfach nachzuvollziehen. Grundsätzlich gilt, dass all diejenigen Vorsorgemaßnahmen sinnvoll sind, wo die Erkrankung 1. häufig vorkommt, 2. das Bedrohungspotential der Erkrankung hoch ist, 3. ein diagnostisches System vorliegt, das mit hoher Aussagesicherheit die Diagnose stellt. Für das Blasenkarzinom könnte man argumentieren, dass 30.000 Neuerkrankung beim Blasenkarzinom gegenüber 60.000 Neuerkrankungen beim Dickdarmkrebs nicht ausreichend hoch sind, um eine Vorsorgediagnostik zu etablieren. Da aber das Blasenkarzinom mit einer enorm hohen Rate von Rezidiven belastet ist, kann die absolute Zahl der Neuerkrankungen alleine nicht ausreichen. Das Bedrohungspotential des Blasenkarzinoms ist sicherlich als sehr hoch einzustufen für all die Menschen, die bereits metastatisch erkrankt sind. Der Anteil der fortgeschritten erkrankten Menschen zum Zeitpunkt der Diagnosstellung liegt bei etwa 30 %. Die zur Verfügung stehenden diagnostischen Verfahren bieten im Besonderen in der Kombination von zwei oder drei Untersuchungsverfahren eine hohe diagnostische Aussagesicherheit. All diese theoretischen Überlegungen unterstützen also den Grundgedanken einer Vorsorgebemühung für das Harnblasenkarzinom. Da aber in der modernen Medizin die Evidenz, d. h. die Sicherheit der Aussage, als Voraussetzung angesehen wird, eine solch grundsätzliche strukturelle Änderung einzuführen, bislang nicht gegeben ist, da es keine solchen Studien gibt, muss man als Betroffener über die selbstfinanzierte Vorsorge für sich Sorge tragen. Ob in der Zukunft eine Änderung dieses Verhaltens erreicht werden kann, werden wir sehen.
Heiner : In meiner Familie hatte mein Vater Prostatakrebs und eine Tante (Schwester vom Vater) Brustkrebs. Habe ich damit ein erhöhtes Risiko? Muss ich deshalb, weil ich über 50 bin öfters zur Vorsorge, weil von beiden Seiten Krebs in der Familie ist?
DR. LÜDECKE: Die Kombination Prostatakrebs und Brustkrebs in der Familie hat prinzipiell im Falle eines Mannes ein erhöhtes Risikopotential für die Möglichkeit einer Entstehung eines Prostatakrebses. Ein Nachweis dafür, ob unter diesen Bedingungen auch ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko besteht, existiert nicht. Für die Prostatakrebsvorsorge sollte eine regelmäßige Betreuung in der niedergelassenen urologischen Praxis angestrebt werden und durch jährliche PSA-Kontrollen mit Beurteilung der Einzelwerte und der dynamischen Entwicklung über die Zeit eine möglichst sichere Situation geschaffen werden.
Harry : Einmal im Jahr habe ich eine Kontrolluntersuchung mit Blasenspiegelung. Das sind einserseits schlechte Tage, weil ich das so schrecklich finde, andererseits war das Ergebnis immer gut und dann vergesse ich die Unannehmlichkeiten. Trotzdem frage ich mich, ob es nicht inzwischen ein modernes bildgebendes Verfahren gibt, um diese Untersuchung zu ersetzten?
DR. LÜDECKE: Leider gibt es nur durch den Einsatz des flexiblen Instrumentes eine relativ besser erträgliche Untersuchungssituation. Alle teuren Maschinen, CT, MRT usw. sind leider nicht aussagekräftig genug, um eine Blasenkarzinomerkrankung adäquat zu beurteilen. Die Kombination der Zystokopie mit urinlöslicher Diagnostik und Zytologie ergibt die größtmögliche Sicherheit. Um die Zystoskopie selbst werden Sie mit größter Wahrscheinlichkeit nicht herumkommen.
Skorpion : Bei mir wurde der Blasenkrebs durch eine Routine-Prostata-Untersuchung vor knapp 10 Jahren entdeckt. Ich wurde operiert. Das war alles, keine Chemo, nichts. Ich hatte Glück, bisher ist alles in Ordnung. Wenn das jetzt noch mal wieder kommen würde, gilt das dann als Neuerkrankung oder Rückfall?
DR. LÜDECKE: Sollte es sich um die gleiche pathologische Blasenkrebsart handeln wie vor 10 Jahren, so könnte man es grundsätzlich als Rezidiv (Rückfall) einstufen. Ist die histopathologische Art anders, kann man eher von einer Neuerkrankung sprechen. Diese Diskussion um Definitionen ist aber inhaltlich gesehen von nachrangiger Wichtigkeit. Das Hauptaugenmerk muss auf der vollständigen Sanierung des Befundes liegen, um auch weiterhin eine langfristige Tumorfreitheit sicherzustellen. Unter dem Gesichtspunkt von Krebsregisteranalysen würde dieser Fall auf jeden Fall als Rückfall eingestuft.
DR. LÜDECKE: Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für diese vielfältigen und umfangreichen Fragen zum Themenbereich Blasenkrebs und hoffe, Ihnen in allen Bereichen in dieser sehr offenen Form der Themendiskussion ausreichend Informationen, Hinweise und Unterstützung geliefert zu haben. Für alle Betroffenen: Behalten Sie einen engen Kontakt zu dem Urologen Ihres Vertrauens. Diese Erkrankung ist ein chronisches Problem, dass eine gut geführte fachärztliche Betreuung zwingend nötig hat. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend! Ihr Gerson Lüdecke
Ende der Sprechstunde.